Kontrollamt kritisiert Wiener Linien: ULF als Problemkind

Häufige Störungen, teure Wartung, Probleme mit der Garantie. Das Wiener Kontrollamt schießt sich auf die neueste Straßenbahngeneration ULF ein. Wartungspläne sollten mit dem Hersteller abgeglichen werden.

(c) FABRY Clemens

Wien. Er gilt als Flaggschiff des öffentlichen Nahverkehrs in Wien – die Niederflurstraßenbahn ULF, also die neueste Straßenbahngeneration mit der weltweit niedrigsten Einstiegshöhe. Doch das Flaggschiff hat den Wiener Linien einige Probleme bereitet, wie ein Kontrollamtsbericht am Mittwoch aufzeigt – vor allem im Bereich der Wartung und Instandhaltung.

 

25 Prozent der ULFs ausgefallen

„Es zeigt sich, dass der Problematik der häufigen Störungen und Mängel, der uneinheitlichen Wartungspläne sowie der ungeklärten Garantiefragen und den daraus resultierenden Folgekosten und Folgeerscheinungen zu wenig Bedeutung beigemessen wurde“, heißt es in dem Bericht wörtlich. In Zahlen ausgedrückt: Zeitweise waren rund 25 Prozent der modernen Fahrzeuge (52 ULFs) wegen Mängel nicht einsatzbereit. Den Wiener Linien hält das Kontrollamt zugute, dass es (spät, aber doch) Aktivitäten gab, um die Probleme zu lösen.

Gerade die Wartung der störungsanfälligen ULFs nimmt das Kontrollamt ins Visier. Bei der Einführung der ersten Niederflurstraßenbahn im Sommer 1998 existierte kein herstellerspezifischer Wartungsplan. Als im Laufe des Betriebs immer mehr Mängel auftraten, kam es zu einer Diskussion zwischen den Wiener Linien und dem Herstellerkonsortium. Ein Streitpunkt: Wurden die ULFs ordnungsgemäß gewartet? In der Folge haben die Wiener Linien ihre Wartungschecklisten adaptiert – womit das Kontrollamt nur beschränkte Freude hat. Es empfiehlt den Wiener Linien, ihre Wartungspläne mit dem Hersteller abzugleichen – damit Rechtsstreitigkeiten um die Frage, ob die Mängel durch nachlässige Wartung entstanden sind, künftig auszuschließen sind. Und: Die Wiener Linien ließen zum Teil die ULFs beim Hersteller warten – was teuer wurde. Denn das Kontrollamt hält fest: „Für die Wiener Linien hätte bereits vor Vertragsabschluss erkennbar sein müssen, dass die Wartung durch den Hersteller die dreifachen Kosten im Vergleich zur Eigenwartung verursacht. Dazu kommt: Nach vier Jahren Betrieb kam es zu einer deutlichen Häufung von Problemen mit dem Fahrwerk. Der Grund war ein Lager, das vom Hersteller als „wartungsfrei“ beschrieben wurde, was der Praxis allerdings nicht standhielt. In vielen Fällen mussten die Wiener Linien die Kosten übernehmen, weil die Garantie abgelaufen war.

Das führt zum nächsten Punkt: Probleme gab es auch bei der Garantie für die ULFs. Das Kontrollamt deckte auf, dass die Garantiebestimmungen nach der Ausschreibung zum Ankauf von 150 Niederflurstraßenbahnen kurzfristig geändert wurden – zum Nachteil der Wiener Linien. Die Garantie wurde zum Teil von sechs auf 2,5 Jahre gesenkt. Die Wiener Linien argumentieren, dass zugunsten eines günstigeren Anschaffungspreises auf einen Teil der ursprünglichen Garantien verzichtet wurde. Bei der Störanfälligkeit des ULFs dürfte diese Maßnahme offensichtlich keine gute Idee gewesen sein.

Das Kontrollamt nahm sich auch die „Vienna Ring Tram“ (VRT) vor, die seit 4. April 2009 als Angebot für Touristen auf dem inneren Gleis um die Ringstraße fährt – wofür ein Extratarif zu bezahlen ist. „Die Geschäftsentwicklung zeigte, dass trotz einer Auslastung von 32 Prozent im Jahr 2011 noch kein positives Ergebnis erzielt wurde“, kritisieren die Prüfer. 2011 konnten die Erträge zwar um 28 Prozent auf 345.000 Euro gesteigert werden, die VRT liegt damit aber trotzdem 91.000 Euro hinter dem Businessplan.

 

Probleme auch bei Hermesvilla

Nebenbei untersuchte das Kontrollamt auch den Zustand der Hermesvilla, einer Außenstelle des Historischen Museums der Stadt. Dabei zeigte sich, „dass Bauschäden unzureichend gesichert und die Fassaden, Laubengänge und Dächer in einem sanierungsbedürftigen Zustand waren“, heißt es in dem Bericht. Nun fordert das Kontrollamt, dass diese Schäden möglichst schnell saniert werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.05.2012)

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