Die stärksten Beben in Österreich

Die stärksten Beben Österreichs liegen Jahrhunderte zurück. Immer noch auf eine Stärke von 6,1 kam das stärkste historisch belegte Beben am 4. Mai 1201.

(c) APA (ROLAND SCHLAGER)

Wien/Gr. Starke Beben in Italien, die bis nach Österreich spürbar sind – das hat Geschichte: Die beiden stärksten Erdbeben, deren Stöße in Österreich dokumentiert worden sind, hatten ihr Epizentrum jeweils im Friaul. Am 25. Jänner 1348 und am 6. Mai 1976 bebte dort die Erde mit einer (im ersten Fall aus historischen Unterlagen rekonstruierten) Stärke von 6,8 und 6,5 auf der Richter-Skala.

Immer noch auf eine Stärke von 6,1 kam das stärkste historisch belegte Beben im heutigen Österreich – nahe dem Kärntner Katschberg dürften die Stöße am 4. Mai 1201 mehrere Burgen vernichtet haben. Weitere Starkbeben finden sich vor allem im Tiroler Inntal, im Wiener Becken und in der Mur-Mürz-Furche.

 

„Neulengbacher Beben“ 1590

Die stärksten Erdbeben der Region um Wien wurden am 15. September 1590 verzeichnet. Historisch nach der am stärksten betroffenen Wienerwaldgemeinde fälschlicherweise „Neulengbacher Beben“ genannt, sollen die beiden Wellen ihren Ausgang tatsächlich unter dem Riederberg am Übergang von Wienerwald und Tullner Becken genommen haben. Ein erster Stoß am späteren Nachmittag soll damals eine Magnitude von 5,2 auf der Richter-Skala erreicht haben, der zweite kurz vor Mitternacht knapp 5,8.

Eine Beschreibung dieses Bebens, das am Tullnerfeld „die khürchen dermassen zerschmettert und zerlittert, das man nit darein darf“ führte dazu, dass es vor der Volksabstimmung über das AKW Zwentendorf 1978 wieder thematisiert wurde. Studien auf Basis der „Neulengbacher Beben“, die im Vorfeld der AKW-Abstimmung erstellt wurden, dienen heute in ganz Europa als Beispiel für Standortsicherheitsfragen.

Auch in Wien hinterließen die „Neulengbacher Beben“ teils schwere Schäden: So stürzten die Türme der Michaeler- und der Schottenkirche teilweise ein und beschädigten die Dächer der jeweiligen Bauten, auch der Südturm des Stephansdoms wurde in Mitleidenschaft gezogen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.05.2012)

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