Spatenstich: Islamisches Kulturzentrum entsteht

In der Brigittenauer Dammstraße haben die Bauarbeiten für ein neues Kulturzentrum begonnen. Der Neubau sorgt seit Jahren für verhärtete Fronten zwischen Betreiber Atib und einer Bürgerinitiative.

Symbolbild
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Spatenstich: Islamisches Kulturzentrum entsteht – (c) Erwin Wodicka - wodicka@aon.at

Wien. Der Spatenstich ist erfolgt: In der Brigittenauer Dammstraße haben die Grabungsarbeiten begonnen, und das neue mehrstöckige Gebäude soll Ende nächsten Jahres fertiggestellt werden. Der Spatenstich ist durchaus bemerkenswert, tobt doch rund um dieses Bauvorhaben seit Jahren ein großteils erbitterter Streit. Geplant ist der Bau eines „Kulturzentrums“, wie es auf der Website der Betreiber, der „Türkisch Islamischen Union in Österreich“ (Atib), heißt. Dieses Kulturzentrum hat auch dazu geführt, dass die „Bürgerinitiative Dammstraße – Moschee ade“ zur Verhinderung desselben gegründet wurde.

Bereits seit 1996 betreibt Atib an diesem Standort ein Gebetshaus, vor einigen Jahren wurde dann beschlossen, das Zentrum aufzustocken bzw. einen Neubau zu errichten. Hier sollen Verwaltungsräume, ein Kindergarten und ein Greißler entstehen, der Gebetsraum selbst soll weiterhin bestehen bleiben. Die gültige Baubewilligung liegt bereits seit über vier Jahren vor. Warum die Bauarbeiten erst jetzt beginnen, liegt zum einen an den Protesten der Anrainer und zum anderen an der Finanzierung. Die Gelder – laut Atib wird das Gebäude ausschließlich durch Spenden der Moscheebesucher finanziert – mussten erst aufgestellt werden. Die Kosten werden mit 2,8 Millionen Euro veranschlagt.

Die Anrainer befürchten, dass das neue Zentrum Parkplatz- und Lärmprobleme schaffen wird. Auf Ersteres hat die Atib mit der Planung einer Tiefgarage reagiert. Das Gebetshaus selbst sei auch nicht das Problem, sagt die Sprecherin der Bürgerinitiative, Hannelore Schuster. Vielmehr sei das neue Kulturzentrum ein Veranstaltungszentrum, das Platz für über 420 Personen biete. Wenn hier Familienfeste und Hochzeiten gefeiert werden, so Schuster, dann stelle das eine Belastung für das ohnehin dicht bebaute Wohngebiet dar. Tatsächlich ist im Bauplan ein Veranstaltungsraum im Erdgeschoß vorgesehen, zugelassen für 420 Personen.

Teeküche statt Hochzeiten

Hier soll eine neue Teeküche entstehen, sagt Ibrahim Çakır von Atib. Zudem sollen in diesem Raum im Fastenmonat Ramadan und bei anderen Festen Abendessen stattfinden. Ob tatsächlich über 400 Besucher hier Platz haben, werde man sehen, wenn man die Infrastruktur wie Küche und Tische vor Ort habe. Hochzeiten sollen keine stattfinden, es werde keine Musik gespielt.

Auf dem Gelände bereitet sich Atib seit Anfang des Jahres auf den Baubeginn vor. Nachdem diverse Tests durchgeführt wurden, begannen die Vorarbeiten bei der Baugrube. Anrainer beschwerten sich damals bei der Baupolizei über Erschütterungen; zudem gehe der Lärm über das normale Maß hinaus. Die Baupolizei bestätigt eine Kontrolle vor Ort, man habe aber keine Auffälligkeiten bemerkt: „Es wird planmäßig gebaut“, sagt Gerhard Cech, Dienststellenleiter der zuständigen Magistratsabteilung 37.

Die Bürgerinitiative rund um Hannelore Schuster trifft sich auch weiterhin regelmäßig; die Homepage von „Moschee ade“ zeigt Bilder von gut besuchten Festen rund um das Atib-Zentrum. „Wir rennen mit unserem Anliegen gegen die Wand“, sagt Schuster. Man fühle sich von der Politik, und besonders von der regierenden SPÖ, im Stich gelassen. Unterstützung hat die Bürgerinitiative unterdessen von der FPÖ erfahren. In den vergangenen Jahren hat Parteichef Heinz-Christian Strache auf zwei Demonstrationen gegen dieses und ein weiteres Islamzentrum in der Floridsdorfer Rappgasse eine Rede gehalten.

 

Eklat bei Demonstration

Ein Auftritt war besonders umstritten: Im Mai 2009 hat Strache das Rednerpult mit einem Kruzifix in der Hand betreten und dafür auch vonseiten der Kirche eine Rüge bekommen; Kardinal Christoph Schönborn meinte, dass das Kruzifix nicht als „Kampfsymbol“ missbraucht werden dürfe. Auch Schuster sorgte damals für ein Eklat: Während die Gegendemonstranten „Nazi“ riefen, bedankte sie sich bei den Christen, „dass sie den Mut gehabt haben, mit uns Nazis zu gehen. Langsam finde ich das schon als einen Ehrentitel.“

Aus der Sicht von Atib hat sich die Lage jedenfalls beruhigt, sagt Çakır. Die Auseinandersetzungen mit der Bürgerinitiative beruhten größtenteils auch auf Fehlinformationen: So sei von einigen fälschlicherweise behauptet worden, das neue Gebäude sei eine große Moschee und kein Verwaltungsgebäude.

Atib ist der größte muslimische Verband in Österreich und betreibt eigenen Angaben zufolge 65 Gebetshäuser (20 davon in Wien). Der Verband ist die Auslandsabteilung des Diyanet, des türkischen Präsidiums für religiöse Angelegenheiten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.05.2013)

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