Araber wollen Wahl des neuen IGGiÖ-Präsidenten anfechten

Der 28-jährige Ibrahim Olgun wurde zum neuen Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich gewählt. Der Vorsitzende der Arabischen Kultusgemeinde ortet eine „undemokratische, ungesetzliche Wahl“.

NEUER VORSITZENDER DER ISLAMISCHE GLAUBENSGEMEINSCHAFT: IBRAHIM OLGUN
NEUER VORSITZENDER DER ISLAMISCHE GLAUBENSGEMEINSCHAFT: IBRAHIM OLGUN
Olgun als neuer IGGiÖ-Präsident gewählt – APA/IGGIÖ

Zu heftigen internen Turbulenzen hat am Sonntag die Wahl des 28-jährigen Theologen Ibrahim Olgun zum neuen Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) geführt. Hassan Mousa, Vorsitzender der Arabischen Kultusgemeinde in Österreich und Mitglied des Schurarates der IGGiÖ, spricht von einer „undemokratischen, gesetzeswidrigen Wahl“ und will sie beim Bundeskanzleramt als oberste Behörde anfechten.

Denn die Wahl Olguns als Mitglied des mächtigen türkischen Verbandes Atib führe zu einem extremen Ungleichgewicht zugunsten der türkischen Gemeinde innerhalb der Glaubensgemeinschaft. Diese Entscheidung sei kein Signal in Richtung Islam österreichischer Prägung, sondern „ein Diktat der türkischen Religionsbehörde Diyanet“, der Atib unterstehe. Die Türkei bekomme dadurch also zu viel Einfluss in der IGGiÖ. Zudem sei Olgun mit seinen 28 Jahren zu jung für das Amt des Präsidenten. Laut Verfassung der IGGiÖ sei ein Mindestalter von 35 Jahren erforderlich, aber diesen Passus habe der Schurarat im Dezember ohne Abstimmung und somit gesetzeswidrig gestrichen.

Olgun war bisher stellvertretender Leiter des Schulamtes der IGGiÖ und war am Sonntag der einzige Kandidat, Fuat Sanaç trat nach fünf Jahren Amtszeit nicht mehr an. Er wurde als Sohn von türkischen Gastarbeitern am 11. September 1987 in Mistelbach geboren, 2007 maturierte er an einer HTL in Wien. Nach dem Grundwehrdienst studierte er in Ankara Theologie, anschließend arbeitete er als Integrationsbeauftragter bei Atib in Wien. Seit 2014 ist der verheiratete Vater eines Sohnes als Fachinspektor für den islamischen Religionsunterricht in diversen Wiener Pflichtschulen tätig. Bei Atib hat er eigenen Aussagen zufolge keine offizielle Funktion mehr. (kb)


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2016)

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