Papst-Kritiker Viganò: "Habe nicht aus Rache gehandelt"

"Korruption hat die Spitze der kirchlichen Hierarchie erreicht", meint der Ex-Nuntius über seinen Brief an den Papst. US-Kardinal Burke kritisiert "Versuche, die Lehre der Kirche zu relativieren, nach der ein homosexueller Akt in sich schlecht ist".

Papst Franziskus bei der wöchentlichen Generalaudienz am Petersplatz in Rom.
Papst Franziskus bei der wöchentlichen Generalaudienz am Petersplatz in Rom.
Papst Franziskus bei der wöchentlichen Generalaudienz am Petersplatz in Rom. – APA/AFP/ALBERTO PIZZOLI

Der Ex-Nuntius Carlo Maria Viganò, der dem Papst vorgeworfen hat, die Beschuldigungen gegen den bekannten US-Kardinal Theodore McCarrick ignoriert und Strafmaßnahmen gegen den Geistlichen aufgehoben zu haben, hat dementiert, aus Rache gegen Franziskus gehandelt zu haben. "Ich will lediglich, dass die Wahrheit ans Licht kommt" so Viganò.

Er habe niemals Gefühle der Rache gehegt, weil er nicht zum Kardinal ernannt worden sei, wie berichtet wurde. Obwohl er öfters in den letzten Jahren verleumdet worden sei, kenne er das Wort Rache nicht. Er habe sein "Memorandum" veröffentlicht, weil die Korruption die Spitze der kirchlichen Hierarchie erreicht habe, so der Nuntius laut einem Interview mit dem RAI-Journalisten Aldo Maria Valli, das auf dessen Blog veröffentlicht wurde.

Viganò betonte, er sei mit seinem Gewissen im Reinen. "Das ist der Preis für die Wahrheit. Licht siegt immer über die Schatten und kann nicht erlöschen, vor allem nicht für diejenigen, die glauben. Daher habe ich viel Vertrauen und Hoffnung in die Kirche", so Viganò.

Burke könne über Papst nicht urteilen

Auch der US-amerikanische Kardinal Raymond Burke hat sich zu Wort gemeldet. Er sieht eine Rücktrittsforderung gegen Papst Franziskus grundsätzlich als legitim an. "Jeder kann sie gegenüber jedem Oberhirten stellen, der sich in der Ausübung seines Amtes schwerwiegend verfehlt, aber die Fakten müssen geprüft werden", sagte Burke der italienischen Zeitung "La Repubblica" (Mittwoch) laut Kathpress. Im Blick auf Franziskus könne er allerdings nicht sagen, ob dieser Fehler begangen habe.

Viganò hatte den Papst wegen angeblicher Versäumnisse im Umgang mit einem ranghohen homosexuellen Geistlichen zum Amtsverzicht aufgefordert. In dem am Wochenende veröffentlichten Memorandum schreibt Viganò , er habe Franziskus bereits in einem Gespräch im Juni 2013 gesagt, der damals schon pensionierte Washingtoner Erzbischof Theodore McCarrick habe "Generationen von Seminaristen und Priestern verdorben". Auch behauptet Viganò , Benedikt XVI. habe McCarrick deswegen 2009 oder 2010 mit Sanktionen belegt. Erwiesen ist das nicht.

"Verfehlte Haltung hinsichtlich der Homosexualität"

Kardinal Burke nannte es ein "Problem", dass manche Kirchenmänner eine "offene und verfehlte Haltung hinsichtlich der Homosexualität" vertreten würden. Es gebe "Versuche, die Lehre der Kirche zu relativieren, nach der ein homosexueller Akt in sich schlecht ist", so der frühere Leiter des obersten vatikanischen Gerichtshofs. Gegen Franziskus habe er "nichts persönlich", so der als Franziskus-Kritiker geltende US-Kardinal, der bereits Aussagen des argentinischen Papstes über das von vier Kardinälen verfasste "Dubia"-Schreiben infrage gestellt hatte. Er wolle nur "die Wahrheit des Glaubens und die Klarheit in der Darlegung des Glaubens verteidigen".

Das elfseitige Memorandum Viganòs nannte Burke "schwerwiegend" in seiner Gesamtheit. Er "glaube, an diesem Punkt ist eine umfassende und objektive Antwort seitens des Papstes und des Vatikan nötig".

(APA)

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