Papst: Kroatien-Beitritt zu EU "logisch und notwendig"

Der Papst absolviert einen zweitägigen Kroatien-Besuch, dem mit Blick auf die EU-Beitrittsverhandlungen große politische Bedeutung beigemessen wird.

Papst Benedikt XVI am Flughafen von Zagreb.
Papst Benedikt XVI am Flughafen von Zagreb.
(c) REUTERS (Nikola Solic)

Papst Benedikt XVI. hat am Samstag seinen ersten offiziellen Besuch in Kroatien begonnen. Dem Besuch wurde in Kroatien große politische Bedeutung beigemessen, denn Kroatien befindet sich in der Endphase der Beitrittsverhandlungen mit der EU. Der EU-Beitritt Kroatiens sei "logisch, richtig und notwendig", sagte der Papst schon auf dem Flug von Rom nach Zagreb zu mitreisenden Journalisten. Kroatien habe seit jeher zu Europa gehört und die Kroaten seien ein zutiefst europäisches Volk, sagte Benedikt laut Agenturen.

Er verstehe die Skepsis, mit der Kroatien dem Beitritt begegnet, und es sei verständlich, dass ein kleines Land Angst habe vor einem "zentralistischen Bürokratismus und einer rationalistischen Kultur", so der Papst. Es sei die Aufgabe Kroatiens, zur Vielfalt in Europa beizutragen, die mit der christlichen Tradition verbunden sei, und die EU nicht nur als gemeinsamen Wirtschaftsraum zu betrachten.

In seiner Rede nach der Ankunft auf dem Flughafen, wo er von Staatspräsident Ivo Josipovic und dem Zagreber Erzbischof Kardinal Josip Bozanic und anderen Vertretern aus Kirche und Politik empfangen wurde, ging der Papst auf die Verbundenheit zwischen Kroatien und Europa ein: "20 Jahre nach der Erklärung seiner Unabhängigkeit und am Vorabend der vollen Aufnahme Kroatiens in die Europäische Union kann die frühere wie die jüngste Geschichte Ihres Landes ein Grund zum Nachdenken für alle anderen Länder des Kontinents sein."

"Starke und besondere Bande"

Kroatien und der Heilige Stuhl könnten auf 13 Jahrhunderte "starker und besonderer Bande zurückblicken", sagte der Papst in Anspielung auf die alte katholische Tradition in dem Land. "Von Anfang an gehört Ihre Nation zu Europa und leistet ihm in besonderer Weise den Beitrag an geistigen und moralischen Werten", betonte Benedikt, der auch auf die Herausforderungen der heutigen Zeit - soziale Differenzierung, geringe Stabilität und "Individualismus, der die Sicht des Lebens ohne Verpflichtungen und die ständige Suche nach 'Räumen des Privaten' begünstigt" - einging. Das erfordere ein "überzeugtes Zeugnis und eine Dynamik zur Förderung der moralischen Grundwerte, auf denen das gesellschaftliche Leben und die Identität Europas basieren".

Das Motto des zweitägigen Besuches lautet "Gemeinsam in Christus". Unter diesem Motto komme er, um den ersten nationalen Familientag der kroatischen Katholiken zu feiern. Das solle Gelegenheit geben, die Werte des Familienlebens und des Gemeinwohls wieder vor Augen zu führen, sagte der Papst. Der Tag der Familie wird am morgigen Sonntag, bei einer feierlichen Messe im Zagreber Hippodrom, begangen. Der kroatische Staatspräsident Josipvovic sagte, der Heilige Vater komme in einem "glücklichen Augenblick" für Kroatien, wenn das Land 20 Jahre seiner Unabhängigkeit feiere und die Beitrittsverhandlungen mit der EU abschließe, so der Präsident. "Der Kraft der politischen und moralischen Autorität des Heiligen Stuhls sind viele Staaten gefolgt, die Aggression gegen Kroatien wurde gestoppt, und unser staatlicher Fortbestand war gesichert", sagte Josipovic im Hinblick auf die Anerkennung Kroatiens durch den Vatikan vor 19 Jahren, während der Jugoslawien-Kriege.

Gebetswache in der Innenstadt

Nach seiner ersten Rede wurde Benedikt vom kroatischen Präsidenten in dessen Residenz empfangen, wo die beiden ein Vier-Augen-Gespräch führten und einander Geschenke übergaben. Josipovic überreichte dem Papst eine Nachbildung der ältesten erhaltenen Orgel in Kroatien aus dem Jahr 1694, Josipovic bekam die Kopie eines Kodex aus der Vatikanischen Bibliothek. Ein Geschenk gab es auch von der kroatischen Ministerpräsidentin Jadranka Kosor, welche der Papst in der Nuntiatur des Vatikan empfing.

In der Zagreber Innenstadt liefen unterdessen die Vorbereitungen für die Gebetswache, die Benedikt am frühen Abend mit Jugendlichen abhalten wollte. Davor war  der Papst im Kroatischen Volkstheater (HNK) zu Gast, um einige Worte an 700 geladene Gäste aus Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur, Kirche und Politik zu richten.

(APA)

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