Vier Deutsche an Bakterien-Käse erkrankt

In Deutschland sind möglicherweise mehr Menschen an Listerien-belastetem Käse aus Österreich neu erkrankt, als bisher angenommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen den Hersteller.

THEMENBILD: QUARGEL
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(c) APA/GEORG HOCHMUTH (Georg Hochmuth)

In Deutschland sind möglicherweise mehr Menschen an Listerien-belastetem Käse aus Österreich neu erkrankt, als angenommen. "Bei vier Patienten liegt ein Infektionszusammenhang nahe", sagte eine Sprecherin des Robert Koch Instituts (RKI) am Donnerstag in Berlin. Die Fälle stammen aus diesem Jahr. Zwei Fälle aus dem Nordosten Deutschlands wurden bereits am Mittwoch bekannt.

Bereits zuvor waren in Deutschland vier Krankheits- und zwei Todesfälle aus dem Vorjahr bekannt geworden. In Österreich erkrankten 2009 zwölf Personen an Listeriose, vier starben. Aus Akten des Gesundheitsministeriums geht hervor, dass die Behörde bereits am 27.Oktober 2009 erstmals Alarm schlug. Allerdings war damals noch nicht klar, welches Lebensmittel als Auslöser infrage kam.

Erst nach langen Recherchen fanden die Behörden heraus, dass alle betroffenen Personen den gleichen Quargel gegessen hatten. Eine Probe wurde gezogen, Prolactal am 22. Jänner 2010 darüber informiert, worauf das Unternehmen auch am nächsten Tag medial vor dem Verzehr warnte.

Listerien

Die Bakterienart Listeria (L.) monocytogenes ist in der Umwelt weit verbreitet. Auch Lebensmittel tierischer Herkunft wie Rohmilch, Weichkäse, Räucherfisch oder rohes Fleisch können bei ihrer Gewinnung damit verunreinigt werden und sind somit in lebensmittelverarbeitenden Betrieben als sogenannte "Hauskeime" gefürchtet.

Listerien können beim Menschen die Krankheit Listeriose verursachen, die von den Symptomen einer normalen Grippe ähnelt. Im Rahmen einer Lebensmittelinfektion zeigen sich Krankheitssymptome innerhalb von drei bis 70 Tagen. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektion meist ohne Krankheitszeichen oder mit Durchfall. Im schlimmsten Fall können die Bakterien eine Enzephalitis auslösen.

Justiz ermittelt

Nun ermitteln auch Justiz und Polizei in dem Fall. Die Grazer Staatsanwaltschaft hat einen Ermittlungsauftrag erteilt, wie der Pressesprecher Manfred Kammerer sagte. Mit Ergebnissen rechnet er in ein paar Wochen.

Den Angehörigen der bisher sechs Opfer steht nach Einschätzung von Anwälten Schadenersatz und Schmerzensgeld zu.  Begräbniskosten, Leichenschmaus und alle sachlichen Aufwendungen, die kausal zu dem Todesfall stehen, seien den Angehörigen der Toten zu ersetzen. Auch ein immaterieller Schadenersatz, quasi für den "seelischen Schmerz", wie Rechtsanwalt Martin Prunbauer es nannte, stehe den Angehörigen zu. Dieser sei allerdings laut Miklautz an einen Nachweis gekoppelt, der einen gewissen Krankheitswert der Angehörigen belegen muss.

Verbraucherwarnung erneuert

Die Firma Prolactal hat die Verbraucherwarnung für ihre bereits am 23. Jänner zurückgerufenen Sauermilchkäse erneuert. Sollten noch Produkte des unter Verdacht der Listerien-Kontamination stehenden Erzeugnisse im Haushalt vorhanden sein, sollten diese keinesfalls verzehrt werden.

In Detail geht es um folgende in Österreich bei Spar und Geschäften der Rewe-Gruppe im Verkauf gewesenen Sorten und Verpackungen:

  • Hartberger Bauernquargel natur 200 g
  • Hartberger Bauernquargel Paprika 200 g
  • Hartberger Bauernquargel Parika 100 g
  • Hartberger Bauernquargel mit Kümmel 200 g
  • Steirischer Quargel mit Paprika 125 g
  • Steirischer Quargel mit Kümmel 125 g
  • Fastenkäse Klassik 150 g
  • Fastenkäse Chilli 150 g
  • Milchkanne Quargel 200 g
  • Milfina Quargel 200 g


In Deutschland gilt Gleiches für die Lidl-Eigenmarken "Reinhardshof, Harzer Käse" und "Reinhardshof, Bauernkäse mit Edelschimmel". Ebenfalls über Lidl sowie eine heimische Molkerei wurden in Tschechien "Banovecke Syrceky" mit und ohne "Paprikou" vertrieben. Auch in der Slowakei war der Magerkäse im Handel.

Über die mit Mittwoch eingerichtete Hotline 0800-201080 waren am ersten Tag bereits 300 Anrufe zu verzeichnen. Wie eine Unternehmenssprecherin am Donnerstag sagte, habe es neben besorgten Anfragen auch viel positives Feedback von Konsumenten gegeben, die nachfragten, wann es die Produkte wieder zu kaufen gebe. "Wir waren über die vielen Quargel-Fans überrascht", hieß es.

(APA/Red.)

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