26er und Co.: Wie eine neue Straßenbahnlinie entsteht

Wien hat schon jetzt das weltweit fünftgrößte Straßenbahnnetz, 2013 wird es noch größer. Ein Besuch auf der Baustelle der 26er-Verlängerung mit Kurt Höfling, der bei den Wiener Linien für Planung zuständig ist.

26er eine neue Strassenbahnlinie
26er eine neue Strassenbahnlinie
(c) FABRY Clemens

Wien. Noch wird gebaut, die Brückenkonstruktion der Straßenbahnlinie 26 beim Gewerbepark Stadlau ist aber schon zu sehen. „Wir sind gut in Plan. Am 5.Oktober 2013 ist der Eröffnungstermin für die U2-Verlängerung vorgesehen. Das ist auch für den 26er Ziel“, sagt Kurt Höfling, der bei den Wiener Linien für die Planung zuständig ist.

In etwas mehr als einem Jahr soll der 26er die Bezirke Donaustadt und Floridsdorf verbinden. 68 Millionen Euro kostet die Strecke, die von der U1-Station Kagraner Platz über eine Hochstrecke über den Gewerbepark Stadlau führt und nach zehn Stationen bei der U2-Station Hausfeldstraße enden wird. Die Erneuerung der Linie ist Beispiel dafür, wie sich das Verkehrsnetz verändert.

Mit der Verlängerung der U2 in die Seestadt Aspern reagiert man auf den wachsenden Bezirk Donaustadt. Und der Ausbau der Straßenbahnlinie 26 wiederum ist ebenso wie die Wiederbelebung der Linie 25 eine Reaktion auf die U2-Verlängerung. Denn nicht nur bei den Fahrgästen lautet die Hierarchie der öffentlichen Verkehrsmittel: U-Bahn, Straßenbahnlinie, Bus. „Die U-Bahn ist der erste Anreiz, um auf Öffis umzusteigen. Wenn es eine U-Bahn-Anbindung gibt, werden Bus und Straßenbahn meist automatisch mitbenutzt“, sagt Höfling. Im Vorjahr benutzten 194 Millionen Menschen die insgesamt 28 Straßenbahnlinien. Die 90 Buslinien zählten in Summe 114 Millionen Fahrgäste. Zum Vergleich: Die U-Bahn kommt im Jahr auf 567 Millionen Personen.

Wien Straßenbahnnetz schneidet im internationalen Vergleich gar nicht schlecht ab. Mit einer Streckenlänge von 172 Kilometern ist es das fünftgrößte der Welt. Größer sind nur jene in Melbourne (245), St.Petersburg (240), Berlin (190) und Moskau (181). Der Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes basiert in Wien auf den Ergebnissen eines elektronischen Verkehrsmodells, das alle fünf Jahre eine Netzanalyse durchführt. „Darauf sind wir recht stolz. Das ist ein weltweit führendes Verkehrsmodell, das auf alle drei Säulen, die es braucht, Rücksicht nimmt: Stadtentwicklung, Verkehrsangebot, Verkehrsnachfrage“, sagt Höfling. Dazu sind in dem Modell nicht nur die Geografie der Stadt gespeichert, sondern auch die Bewohner – unterteilt in Altersgruppen – sowie deren Wege, berufliche wie private. Auch wenn laufend kleine Aktualisierungen vorgenommen werden, ist Ende 2012 mit neuen Ergebnissen der fünfjährig stattfindenden Netzanalyse zu rechnen.

 

Vor Debatte über U5

Höfling rechnet damit, dass durch die für heuer erwarteten Ergebnisse wieder die Diskussion rund um die U5-Linie aufflackern wird. Denn die Straßenbahnlinie 43 zählt, ebenso wie die Linie 6, zu den meistfrequentierten Linien. Jeweils 26 Millionen nutzen jährlich diese Linien. Beim Bus zählt übrigens der 13A mit zwölf Millionen Fahrgäste zu den meistfrequentierten Linien. Für Höfling wäre eine neue U-Bahn-Linie die optimale Lösung, um die Linien 43 und 13A zu entlasten, auch wenn er meint: „Das sind Visionen.“ Visionen, die Anfang nächsten Jahres mit der Stadt diskutiert werden sollen. Er gibt allerdings zu bedenken, dass – selbst wenn es eine Entscheidung dafür gäbe – es rund zehn Jahre bis zur Betriebsaufnahme dauern würde. Von einem häufig geforderten 13A auf Schiene hält der Planungsexperte wenig. Zu den Nachteilen des 13A und Co. zählt der sogenannte Schienenbonus. „Das ist auch psychologisch bedingt. Alles, was auf Schienen fährt, wird besser angenommen, wohl auch, weil es ruhiger ist.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2012)

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