Malaria als Therapie: Über 230 Fälle

Kommission gibt erste Zahlen bekannt. Heimkinder waren nicht häufiger betroffen.

Malaria Überträger
Malaria Überträger
(c) EPA

Wien. Sie wurden mit Malaria infiziert, damit die Fieberschübe ihre Krankheit heilen, so lauten die Vorwürfe von ehemaligen Kinderheimbewohnern – und brachten damit 2012 Untersuchungen zur Malariatherapie ins Rollen. Seit Anfang 2013 ist die Malariakommission unter der Leitung von Historiker Gernot Heiss tätig. Sie analysiert die Akten der Klinik Hoff, der Wiener Universitätsklinik für Psychiatrie und Neurologie, in der die Therapie angewandt wurde. Im Gespräch mit orf.at nennt Heiss nun Zahlen: So sollen in den (bis jetzt untersuchten) Jahren 1955 bis 1960 rund 230 Menschen mit Malariatherapie behandelt worden sein. „Heimkinder wurden allerdings nicht häufiger als andere Patienten mit Malariatherapie behandelt“, sagt Heiss zur „Presse“. Im Gegenteil: Auf der Kinderstation sei in den untersuchten Jahren kein einziges Heimkind mit Malariatherapie behandelt worden.

Die Therapie galt, laut Heiss, bis in die 1960er-Jahre als Mittel, um etwa die Progressive Paralyse (eine Spätfolge von Syphilis) einzudämmen. Psychiater Julius Wagner-Jauregg bekam 1927 den Nobelpreis dafür. Für die Therapie wurde in den Patienten durch einen Erreger eine Malaria tertiana (nicht zu verwechseln mit der aggressiveren Malaria tropica) ausgelöst. Die Therapie wurde mit dem Aufkommen von Penicillin abgelöst. Der Endbericht der Kommission, die sich die Jahre 1951 bis 1969 ansehen will, soll im Frühjahr 2015 fertig sein. (win)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2014)

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