Wien bastelt an der besseren Welt

Das „Monocle“-Magazin lädt zur Quality-of-Life-Konferenz, die erste Maker Faire vereint Bastler, und der Storytelling-Hackathon soll Vorzeigeprojekte bekannt machen.

The One Love Machine Band by Kolja Kugler, auf der Maker Faire Vienna 2016 zu sehen
The One Love Machine Band by Kolja Kugler, auf der Maker Faire Vienna 2016 zu sehen
(c) Maxwell Stephen Duryea

Wien. Dass Tyler Brûlé, der legendäre Journalist und „Monocle“-Herausgeber, ein Wien-Fan ist, das ist ja nun schon länger kein Geheimnis mehr. Schon gar nicht, seit das Magazin, eine Instanz, wenn es um Design, Kreativität und das gute Leben an sich geht, Wien voriges Jahr zur lebenswertesten Stadt Europas (und international zur Nummer zwei hinter Tokio) gekürt hat. Also ein logischer Schluss, dass die „Monocle“-Macher dieses Wochenende ihre zweite Quality-of-Life-Konferenz in Wien abhalten.

„Wir haben uns für Wien entschieden, weil die Stadt beständig führend ist, wenn es um Lebensqualität geht. Darüber hinaus sehen wir einige Initiativen in Wien, die unsere Delegierten inspirieren werden“, so Tyler Brûlé, der die Konferenz am Freitagabend im jungen Wiener Nobelhotel Grand Ferdinand eröffnet hat. Am Samstag und Sonntag werden sich im Palais Ferstel 200 Delegierte und 20 Speaker treffen, um über neuen Urbanismus, gesunde Architektur, Handwerk und Design in Städten oder überhaupt darüber, wie man Städte, Arbeitsplätze oder Staaten in Zukunft besser gestalten kann, zu diskutieren. Unter den Referenten: Designerin Tara Bernerd, Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse, und aus Österreich Lilli Hollein (Vienna Design Week) oder Till Reiter (Ludwig Reiter). Ein exklusives Event – immerhin kostet die Teilnahme 1850 Euro – das allerdings auch online übertragen wird (monocle.com).

 

Ein Festival der Selbermacher

Aber es gibt an diesem Wochenende zwei weitere Veranstaltungen, die Wien für kurz zum Kreativ-Hotspot machen – und die für die breite Masse zugänglich sind: Zum einen wäre da die Maker Faire, das (nach eigenen Angaben) größte Do-it-yourself-Festival der Welt, das zum ersten Mal in Wien organisiert wird. Maker sind Leute, die mit dem Einsatz moderner Technik Dinge selbst machen oder reparieren wollen.

Hobbybastler, Enthusiasten oder Studenten, auch Forscher und Wissenschaftler, und manchmal werden sie Unternehmer, wenn ihren Ideen ein Start-up entspringt. Entstanden ist die Bewegung vor gut zehn Jahren, als Mitbegründer gilt der Amerikaner Dale Dougherty, dessen 2005 gegründetes Magazin „Make“ als Katalysator diente. Die erste Maker Faire fand 2006 im Silicon Valley statt, inzwischen gibt es Ableger in New York oder Tokio, auch in Europa gibt es einige, in Berlin, Paris, Hannover oder Rom. In Wien schätzt man die Maker-Szene „sehr groß“ ein: „Es gibt immer mehr Leute, die sich mit der Bewegung identifizieren“, sagt Sprecherin Leyla Jafarmadar.

Organisiert wird die Messe etwa von der Gesellschaft für innovative Computerwissenschaften (INNOC), der TU und „Make“. 240 Aussteller werden heute und morgen im Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste (dem ehemaligen Semperdepot) zeigen, woran sie arbeiten, und zum Mitmachen einladen. Es geht um 3-D-Druck, Handarbeit und Hacking, Drohnen und Upcycling, das Internet der Dinge – und Roboter: Es spielt die aus Schrott gebaute Roboterband „The One Love Machine Band“, ein anderer Roboter bäckt Crêpes, im WunderWuzzi-Roboter-Labor können Kinder aus Zahnbürsten und Elektronikbauteilen Roboter bauen; in Workshops werden Handys repariert oder das Holzhaus-Bausystem WikiHouse präsentiert.

 

Kreative Geschichtenerzähler

Von Tausendundeiner Nacht inspiriert ist schließlich der „1001 Hackathon“ im Impact Hub. Normalerweise treffen sich bei einem Hackathon Hacker, um ein Wochenende lang Software für nützliche oder unterhaltsame Zwecke zu programmieren. Im konkreten Fall handelt es sich allerdings um einen Storytelling-Hackathon: Dabei werden Erfolgsgeschichten von sieben Wiener sozialen Unternehmen erzählt – etwa über das Cateringunternehmen Issmich, das aussortierte Lebensmittel verkocht, oder die Nachbarschaftsinitiative „Frag nebenan“. 48 Stunden überlegen 40 Designer und Filmemacher, Illustratoren, Programmierer oder Blogger, eine Hälfte aus Österreich, die andere aus dem Rest Europas, wie man die Geschichten weitererzählen könnte, um ihren Einfluss zu erhöhen. Schließlich, sagt Sprecher Kai Wichmann, könnten Projekte, die in Österreich funktionieren, auch anderswo die Welt verbessern, „da muss man das Rad nicht neu erfinden“. Die Ergebnisse werden am Sonntag um 19 Uhr präsentiert.

Die Termine

Maker Faire: 16. und 17. April, Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste Wien, Lehargasse 6–8. 10–18 Uhr, Ticket: 11 Euro.

Storytelling-Hackathon: Präsentation der Ergebnisse am 17. April, 19 Uhr, Impact Hub Vienna, Lindengasse 56.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.04.2016)

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