Häupl-Nachfolge: Gewerkschaft stellt sich hinter Ludwig

Eine offizielle Wahlempfehlung gibt es zwar nicht, aber nach dem Hearing der beiden Kandidaten stimmte Gewerkschaftsspitze mit „deutlicher Mehrheit“ für Wohnbaustadtrat Ludwig.

Archivbild: Michael Ludwig
Archivbild: Michael Ludwig
Archivbild: Michael Ludwig – APA/GEORG HOCHMUTH

Es könnte eine Vorentscheidung im Kampf um die Nachfolge von Bürgermeister Michael Häupl sein, die offiziell am 27. Jänner beim Parteitag der Wiener SPÖ geregelt wird. Die Gewerkschaft, die rund 20 Prozent der rund 980 stimmberechtigten Delegierten stellt und seit jeher als Königsmacher gilt, hat Michael Ludwig (Wiener Wohnbaustadtrat) und Andreas Schieder (SPÖ-Klubchef im Parlament) vor Weihnachten einem internen Hearing unterzogen, um eine gemeinsame Linie für den entscheidenden Parteitag zu finden.

Nach diesem Hearing gab es eine interne Abstimmung. Und die war eindeutig, wie Christian Meidlinger, Vorsitzender der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten („younion“) und Wiener FSG-Vorsitzender (Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter) am Montag der „Presse“ erklärt: „Im Präsidium gab es eine deutliche Mehrheit für Michael Ludwig“, erklärt Meidlinger. Dieses Führungsgremium besteht aus 20 roten Spitzenfunktionären der Gewerkschaft. Es sind dort aber auch zwei Spitzenvertreter aus Wiener Bezirken dabei.

Nicht nur im Präsidium hat Michael Ludwig die Mehrheit gegenüber Andreas Schieder: „Nach Rücksprache mit den Delegierten“ (also der stimmberechtigten Gewerkschafter für den entscheidenden Parteitag, Anm.) habe sich auch dort eine Mehrheit für Michael Ludwig gezeigt, erklärt Meidlinger. „Presse“-Informationen, wonach diese Mehrheit ebenfalls sehr deutlich war, will Meidlinger nicht kommentieren.
Über den Grund, dass sich die roten Gewerkschafter großflächig hinter Ludwig versammeln, und nicht hinter Schieder, kann Meidlinger nur spekulieren: „Beide haben einen unterschiedlichen Werdegang, eine andere Funktion und Position.“ Einer habe kommunalpolitische Erfahrung, der andere bundespolitische. Meidlinger wörtlich: „Bei der Nachfolge des Wiener Bürgermeisters geht es um kommunalpolitische Erfahrung.“

Meidlinger stimmt für Ludwig

Offiziell gibt es keine Wahlempfehlung, trotz Abstimmung im Präsidium. Die Wahl selbst ist geheim. „Es sind alles mündige Menschen“, meint dazu Meidlinger. Ein Delegierter, der nach eigenen Angaben gute Kontakte in beide Lager hat, erklärt der „Presse“: „Natürlich redet man untereinander. Und hier ist die Tendenz für Ludwig völlig klar.“ Auch würde sich Meidlinger nicht so weit hinauswagen, wenn er nicht eine klare Mehrheit für Ludwig sehen würde. Immerhin habe sich auch Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske für Ludwig als Wiener Bürgermeister ausgesprochen.

Meidlinger selbst wird am entscheidenden Parteitag für Ludwig stimmen, wie er der „Presse“ offen erklärt. Das dürfte bitter für Häupl sein, der dem Vernehmen nach Ludwig verhindern will. Denn Häupl hatte den roten Spitzengewerkschafter beim jüngsten Landesparteitag in die Riege seiner Vize-Parteichefs aufgenommen – als Nachfolger von Ex-Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely, der Partnerin von Andreas Schieder.

Fünf weitere Bewerber nicht zugelassen

Außer Ludwig und Schieder wird sich niemand um die Häupl-Nachfolge bewerben. Das teilte die Wiener SPÖ am Montag nach der Sitzung der Wahlkommission mit. Fünf weitere Bewerber wurden nicht zugelassen. Sie seien von der Wahlkommission nicht auf den Wahlvorschlag gesetzt worden, da vier davon nicht Mitglieder der SPÖ seien und einer die Mitgliedschaft nur für die Bewerbung beantragt habe, hieß es. Beim Sonderparteitag der Stadt-Roten am 27. Jänner werden somit nur die Namen Ludwig und Schieder auf dem Stimmzettel stehen.

Spontane Kandidaturen am Parteitag sind theoretisch noch möglich. Die Hürde dafür ist jedoch hoch: Ein Bewerber bräuchte eine Zweidrittelmehrheit, um überhaupt zur Abstimmung zugelassen zu werden.

Lesen Sie mehr zum Thema
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Häupl-Nachfolge: Gewerkschaft stellt sich hinter Ludwig

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.