Moscheen: Ex-IGGÖ-Präsident Sanac wehrt sich gegen Vorwürfe

Rund um die Moscheeschließungen hatte IGGÖ-Präsident Ibrahim Olgun seinem Vorgänger Versäumnisse bei der Verhandlung des Islamgesetzes vorgeworfen. Fuat Sanac hält Olguns Vorgehen wiederum für "unprofessionell".

Archivbild: Fuat Sanac bei einem Interview 2015
Archivbild: Fuat Sanac bei einem Interview 2015
Archivbild: Fuat Sanac bei einem Interview 2015 – (c) APA/ROLAND SCHLAGER

"Was hat das mit dem Islamgesetz zu tun?" Fuat Sanac, Ex-Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), kann die Vorwürfe seines Nachfolgers Ibrahim Olgun nicht nachvollziehen. Olgun hatte rund um die Schließung von Moscheen durch die Bundesregierung in einer Aussendung geschrieben, dass man sich "viele dieser negativen Entwicklungen" hätte ersparen können, "wenn die damaligen Verantwortlichen der IGGÖ" bei der Entstehung des Islamgesetzes "dessen Umsetzbarkeit und Auswirkungen im Vorfeld hinterfragt hätten". Konkret nannte Olgun auch den jetzigen Vizepräsidenten, Abdi Tasdögen. Federführend bei den Verhandlungen war aber Sanac gewesen.

Sanac ist jedenfalls nicht glücklich damit, wie die Sache gelaufen ist. Dass nämlich Ibrahim Olgun die Probleme in der Arabischen Kultusgemeinde an das Kultusamt weitergeleitet hat - und prompt wurde die nun geschlossen. "Man muss mit seinen Glaubensbrüdern sprechen und das intern lösen", sagt er im Gespräch mit der "Presse". "Das ist eine Verschiebung der Probleme auf andere. Das finde ich unprofessionell. Nicht nur von Olgun, der ist nicht alleine." Doch was das mit dem Islamgesetz zu tun haben soll, wisse er ohnehin nicht.

"Wir können nicht 100 Prozent bekommen"

Er bezeichnet das 2015 beschlossene Islamgesetz als ein Gesetz, "für das die Muslime in anderen Ländern kämpfen würden und es nicht erreichen können". So habe man in Österreich viele Rechte, vom Islamunterricht über Kindergärten und Schulen bis zu Lehrern, die vom Staat bezahlt würden. Am Anfang habe es einige Punkte gegeben, mit denen man nicht zufrieden gewesen sei, doch durch Verhandlungen habe man alle entsprechenden Paragrafen wegbekommen und Kompromisse geschlossen. "Aber wir können nicht 100 Prozent bekommen", so Sanac. Er sei jedenfalls zufrieden mit dem, was am Ende herausgekommen sei.

Abgesehen davon sei er es leid, dass ihm die Schuld für ein Gesetz gegeben werde: "Gesetze werden im Parlament beschlossen. Ich habe das Gesetz weder unterschrieben noch alleine etwas entschieden. Wir haben immer mit Gremien und Verbänden zusammengesessen." Und das am Ende auch einstimmig - da seien alle Verbände mit im Boot gewesen, also auch Atib, die Islamische Föderation und alle anderen. "Es war vielleicht mein Fehler, dass ich nicht alle unterschreiben habe lassen, als wir die letzte Fassung der Stellungnahme an das Parlament geschickt haben", so Sanac. Er habe damals gemeint, er brauche es nicht schriftlich, "denn Gott weiß es". Umso mehr ärgern ihn nun die Vorwürfe von Olgun, der ja aus dem türkischen Verband Atib kommt.

"Recht, meine Meinung zu sagen"

Sanac war von 2011 bis 2016 Präsident der IGGÖ, ehe er von Olgun abgelöst wurde. Bisher habe er sich auch mit Wortmeldungen zurückgehalten: "Wenn eine neue Führung an die Macht kommt, muss man hinter ihr stehen und schweigen." Aber da er nun persönlich angesprochen sei, sei es sein Recht, auch seine Meinung dazu zu sagen. Er appelliert jedenfalls an die Muslime, weiter im Gespräch miteinander zu bleiben. "Probleme müssen wir unter uns lösen und nicht immer jammern und die Schuld auf die anderen schieben."

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