Stadthallenbad: Ein aufgelegter Skandal mit stillem Ende

Acht Jahre lang hat die Sanierung des Stadthallenbades das Rathaus und die Wiener beschäftigt. Im Nachhinein hätte man einiges daraus lernen können. Erstens, alte Substanzen bergen Überraschungen – und zweitens, niemand sollte sich politisch zu schnell feiern lassen.

Das sanierte Stadthallenbad ist seit 2014 wieder offen.
Das sanierte Stadthallenbad ist seit 2014 wieder offen.
Das sanierte Stadthallenbad ist seit 2014 wieder offen. – APA/HERBERT NEUBAUER

Am Ende hat sich jeder gefragt, wie das denn passieren konnte. Wie die Sanierung eines teilweise denkmalgeschützten Gebäudes so aus dem Ruder laufen konnte: Baustopp, millionenschwere Gerichtsverfahren, öffentliche Schuldzuweisungen, Firmen und Personen am Rande ihrer beruflichen Existenz, Schwimmer, die ein Bad nicht benützen können. Acht Jahre lang – von 2010 bis 2018 – beschäftigte die Stadthallenbadsanierung Baufirmen, Politiker und später Anwälte – erst im März diesen Jahres kam die finale Abrechnung.

Begibt man sich im Nachhinein auf Fehlersuche, dann muss man am Anfang beginnen. Um die Badegäste nicht zu stören, hat man vor der Sanierung des Stadthallenbades auf eine tiefergehende Kontrolle der Substanz verzichtet (sonst hätte man das Bad sperren müssen) und es bei Sichtkontrollen belassen. Der Bauablauf sei „nicht strukturiert“, das Projektteam überfordert gewesen, es sei eine ganze Reihe von „grundsätzlichen Fehlern“ in der Projektvorbereitung passiert, kritisierte das Kontrollamt 2012 in einem niederschmetternden Bericht. Auch die Entscheidung für die Bauaufsicht sorgte bei den städtischen Prüfern für Staunen. Denn laut Firmenbuch war der damalige technische Direktor der Stadthalle Geschäftsführer einer Firma, bei der das zum Zug gekommene Ziviltechnikerbüro Gesellschafter war.

Ständig neue Probleme. Die Folgen für die Sanierung waren jedenfalls groß. Weil man nicht wusste, in welchem Zustand die Bausubstanz war, kamen während des Umbaus ständig neue Probleme zutage. Am Ende gab es zeitliche Verzögerungen und undichte Becken. Als dann noch der Hubboden kurz vor der geplanten Eröffnung brach, war Feuer am Dach. Denn eine Sanierung muss immer zwei Befindlichkeiten bedienen. Einerseits soll sie den zukünftigen Nutzern zugutekommen, andererseits dient sie der Politik zur Profilierung. So entstand das später unglückliche Foto mit dem damals amtierenden Sportstadtrat Christian Oxonitsch und dem damaligen Holding-Geschäftsführer Peter Hanke (jetzt Wiener Finanzstadtrat) im Bad mit einem Schwimmreifen in der Hand. Sinngemäße Überschrift der Artikel zum Bild: Die Sanierung ist bald abgeschlossen. Das stimmte nicht. Zum Zeitpunkt des Foto stand der Badkeller unter Wasser. Knapp einen Monat später trat die Stadt gehörig auf die Bremse, rief einen Baustopp aus (der von den beteiligten Firmen nie verstanden wurde) – und das Bad stand still. Alle Arbeiten würden überprüft, lautete die Argumentation. Im Hintergrund hieß es freilich, man habe den Baustopp zum Anlass genommen, die fehlenden Untersuchungen, die davor nicht gemacht wurden, durchzuführen. Daneben wurde ein Prozess geführt, der seinesgleichen suchte. Der Generalplaner Georg Driendl wurde von der Stadt zum Sündenbock erklärt, er und nur er alleine hätte die Verantwortung für die gesamte verpfuschte Sanierung. Vor Gericht wurde versucht, 9,1 Millionen Euro von ihm einzuklagen – argumentiert wurde das auch mit dem „volkswirtschaftlichen Schaden“, der entstanden sei. Der Generalplaner, unterstützt von der Wiener Architektenkammer, hielt dagegen.

Das Ende war ein stilles, ein (erwartbarer) Vergleich, den großteils Versicherungen übernahmen. Bei der Endabrechnung im März 2018 brüstete sich die Stadt damit, sich die durch Schäden und Verfahren entstandenen Mehrkosten im Regress zurückgeholt zu haben. Schlussendlich habe die Sanierung 17,3 Millionen Euro gekostet.

Chronologie

Mai 2010. Die Arbeiten beginnen. 17 Mio. Euro sind budgetiert. Der Abschluss ist für Herbst 2011 geplant.

Jänner 2012. Völlig überraschend veranlassen Sportamt, Wien Holding und Stadthalle wenige Tage vor dem geplanten Eröffnungstermin einen sofortigen Baustopp und leiten eine gerichtliche Beweissicherung ein.

Oktober 2012. Das Kontrollamt zerpflückt den Sanierungsablauf.

Dezember 2013. Die Causa wird endgültig zum Fall für das Gericht.

Juni 2014: Überraschend kündigt die Wien Holding an, dass das Stadthallenbad ab sofort wieder öffnet.

März 2018. Die Endabrechnung liegt vor, die Gerichtsverfahren sind abgeschlossen. Die Sanierung des Bades kostete laut Stadt 17,3 Mio. Euro – zusätzliche Kosten habe man sich über den Regress zurückgeholt.

Sanierung

Stadthallenbad. Das Bad im 15. Bezirk wurde 1974 von Roland Rainer erbaut. 2010 wurde es für eine Sanierung geschlossen. Anstatt 2012 konnte das Bad erst 2014 wiedereröffnet werden – danach folgten jahrelange Gerichtsprozesse, die klären sollten, wer die Schuld an dem Sanierungsdebakel hatte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2018)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Stadthallenbad: Ein aufgelegter Skandal mit stillem Ende

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.