Die „Choreografie“ des KH Nord

Laut Gesundheitsstadtrat Hacker soll der Umzug von drei Wiener Spitälern und 2000 Mitarbeitern in das KH Nord ab Mai innerhalb von vier Wochen ablaufen.

(c) Die Presse

Wien. Im September 2019 wird das Krankenhaus Nord nach jetzigem Stand im Vollbetrieb sein. Die ersten Patienten sollen schon im Juni im neuen Großbau in Floridsdorf behandelt werden. Davor müssen drei Spitäler, zig Abteilungen anderer Standorte sowie mehr als 2000 Mitarbeiter übersiedeln.

Das passiert ab Ende Mai und soll laut KAV-Führung in vier Wochen über die Bühne gehen. Der aktuelle Zeit- und Kostenrahmen (1,341 Mrd. Euro) soll gehalten werden. Ein derartiger Mammut-Umzug bedürfe einer genauen „Choreografie“, betonte die Spitze des Krankenanstaltenverbunds (KAV) am Donnerstag. Denn es müsse garantiert werden, „dass während der Betriebsaufnahme keine Versorgungsengpässe entstehen“, wie KAV-Vize-Generaldirektor Herwig Wetzlinger unterstrich. Das sei eine Herausforderung, denn mit der Semmelweis-Frauenklinik, dem Orthopädischen Spital Gersthof und dem Krankenhaus Floridsdorf ziehen gleich drei Häuser zur Gänze in das neue KH Nord um. Dazu kommen mehrere Abteilungen aus dem Otto-Wagner-Spital und dem Spital Hietzing, Kinderbetten aus der Rudolfstiftung und dem Wilhelminenspital sowie ein Teil der Unfallchirurgie aus dem Donauspital.

Der Umzug erfolgt in vier Etappen im Wochentakt, dauert also insgesamt einen Monat. Begonnen wird mit dem KH Floridsdorf, um gleich einmal ein ganzes Spital im Haus zu haben, wie der medizinische KAV-Direktor, Michael Binder, erklärte. Immerhin sollen schon Anfang Juni die ersten Patienten an der Brünner Straße versorgt werden. Parallel dazu folgen sukzessive andere Standorte bzw. Abteilungen, wobei die Kinder- und Jugendpsychiatrie und die Unfallchirurgie komplett neu aufgebaut werden.

 

ÖVP-Kritik an Sonja Wehsely

Laut KAV-Generaldirektorin Evelyn Kölldorfer-Leitgeb sollen die Detailplanungen für die Übersiedelungen bis Mitte Dezember stehen. Interieur, EDV und Medizintechnik müssen nicht siedeln, sie werden für das KH Nord neu und einheitlich angeschafft.

Die Vorbereitungen für die Patientenversorgung – erwartet werden 46.000 stationäre Aufnahmen und 250.000 Ambulanzbesuche pro Jahr – laufen abseits der Umzugsplanungen auf Hochtouren. Mitarbeiterschulungen finden laufend statt, der technische Betrieb wurde großteils hochgefahren. Im September wurden Herz-Lungen-Maschinen, ein Hybrid-OP-Tisch sowie Magnetresonanz- und Computertomografen geliefert. Ernst wird es dann ab April 2019: Dann beginnt die klinische Betriebssimulation – also das Üben des Echtbetriebs mit Scheinpatienten.

Parallel dazu zog die ÖVP Wien eine Zwischenbilanz über die U-Kommission, die das Fiasko politisch aufarbeiten soll. Die größten Kritikpunkte: Beim Auftreten von Schwierigkeiten hätte Architekt Albert Wimmer von der damaligen Gesundheitsstadträtin, Sonja Wehsely, keinerlei Antworten bzw. Reaktion bekommen – was die ÖVP als „SPÖ-Systemversagen“ bezeichnete. Und: Ex-Porr-Generaldirektor Wolfgang Hesoun habe erklärt, das Bieterkonsortium hätte das KH Nord um 825 Mio. Euro errichtet und 2015 eröffnet. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2018)

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