"Falter": Züchtigung, Drill und Missbrauch an der Ballettakademie der Wiener Staatsoper

Die Wochenzeitung „Falter“ berichtet über skandalöse Zustände in der Elite-Tanzausbildung der Wiener Staatsoper. Gewalt und "Bodyshaming“ stünden an der Tagesordnung berichten ehemalige Schülerinnen, aber auch Lehrerinnen.

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Archivbild. – APA/HELMUT FOHRINGER

Körperliche Züchtigung von Schülern, Demütigung durch Abwiegen vor der Klasse und Beschimpfungen, fehlende psychologische und diätologische Betreuung und ein sexueller Übergriff - in der aktuellen Ausgabe der Wiener Wochenzeitung „Falter“ kommen ehemalige Lehrerinnen und Schüler und Schülerinnen der Ballettakademie der Wiener Staatsoper zu Wort. Und sie zeichnen kein schönes Bild der Eliteausbildungsstätte, deren Schüler jedes Jahr auch bei der Opernball-Eröffnung oder beim Neujahrskonzert tanzen.

Eine Tanzlehrerin, die im Jahr 2017 gekündigt hat, wirft Kolleginnen vor, autoritäre, gewalttätige und gefährliche Unterrichtsmethoden anzuwenden. Sie habe auch die Leitung der Schule darüber informiert, diese habe nicht ausreichend reagiert. Auch Jolantha Seyfried, ehemalige Erste Solotänzerin der Staatsoper und Ex-Leiterin der Akademie kommt zu Wort. Es habe sich „Sklavenmentalität“ breitgemacht. Kinder litten an Ernährungsstörungen, Drill, Angst und auch durch physische Gewalt.

Eine ehemalige Schülerin berichtet von einer Kultur des „Bodyshamings", die mit Beginn der Pubertät einsetze. Man würde vor den Augen der Mitschüler abgewogen und gedemütigt. Viele Mädchen hätten Essstörungen oder litten an Magersucht.

Eine Lehrerin soll besonders gewalttätig gewesen sein. „Sie hatte mich am Haarknödel gerissen. Mit Nägeln gekratzt, sie war handgreiflich, übergriffig", wird eine ehemalige Schülerin im „Falter“ zitiert. Auf Beschwerden bei der Akademieleiterin Simona Noja-Nebyla hätte die Lehrerin mit Beleidigungen reagiert. Sie wurde schließlich gefeuert. Ein Schüler berichtet von einem sexuellen Übergriff seines Lehrers, der ihm Pornos vorgespielt habe und vor ihm onaniert habe.

Der „Falter“ betont, dass die Staatsoperndirektion die Recherchen unterstützt habe und auf Transparenz setze. Die Vorkommnisse würden nicht geduldet. Im Falle der gewalttätigen Lehrerin habe man auch reagiert. Ein weiterer Lehrer wurde bis zur Klärung der Vorwürfe gegen ihn dienstfrei gestellt. Die Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft ist seit Monaten tätig. Akademieleiterin Noja habe laut „Falter“ gemeinsam mit Ballettchef Manuel Legris auf Kritik stets reagiert, sich auch um Kinder mit Essstörungen gekümmert. Seit Monaten gebe es außerdem eine Kooperation mit der Kinder- und Jugendanwaltschaft, alle Vorgaben würden „auf Punkt und Beistrich“ umgesetzt. Es soll auch eine Ombudsstelle geschaffen werden und ab Herbst wird ein Fach „Body Awareness“ verpflichtend eingeführt. Im Fall des sexuellen Übergriffs will die Staatsoper eine Sachverhaltsdarstellung der Staatsanwaltschaft übergeben.

Blümel beauftragt Sonderkommission

Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) hat die Bundestheaterholding mit der Einrichtung einer Sonderkommission beauftragt. "Ein Verhalten, wie das in den Vorwürfen angeprangerte, ist vollkommen inakzeptabel", sagte Blümel in einem Statement gegenüber der Austria Presse Agentur.

Sobald er von den Vorwürfen erfahren habe, habe er Holding-Geschäftsführer Christian Kircher mit der Einrichtung des Gremiums beauftragt, welches die Vorwürfe restlos klären soll, so Blümel: "Holding-Chef Christian Kircher wird einen umfassenden Bericht inklusive aller getroffenen Maßnahmen, um so etwas auch in Zukunft zu verhindern, vorlegen."

>> Der ausführliche Artikel im „Falter“ [kostenpflichtig]

>> Der „Falter"-Ankünder von Chefredakteur Florian Klenk

(Red./APA)

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