Warten auf das generelle Rauchverbot

Berndt Querfeld, Obmann der Wiener Kaffeesieder, hält das derzeitige Tabakgesetz für eine Zwischenstation auf dem Weg zum generellen Rauchverbot. Lokalbesitzer nehmen das Tabakgesetz nicht sonderlich ernst.

(c) APA (HERBERT P. OCZERET)

Wien. „Absolut nichts Neues“ enthält die jüngst veröffentlichte Raucherstudie der Ärztekammer Wien für Berndt Querfeld, Obmann der Kaffeesieder. Laut der Studie nehmen Lokalbesitzer das Tabakgesetz nicht sonderlich ernst. Luftproben aus Lokalen ergaben erhöhte Feinstaubbelastungen.

Das seit vergangenem Jahr geltende Tabakgesetz hält Querfeld für einen „gesellschaftlichen Kompromiss, der nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu einem generellen Rauchverbot sein wird“. Seit Juli vergangenen Jahres müssen Lokale ab einer Größe von 50 Quadratmetern eine räumliche Trennung von Raucher- und Nichtraucherbereichen haben. Wer nicht umbauen und räumlich trennen wollte, dem blieb nur ein generelles Rauchverbot.

Die Unsicherheit bei den Kaffeesiedern war laut Querfeld, selbst Inhaber eines Café-Imperiums (Landtmann, Central, Museum etc.) anfangs sehr groß. Mittlerweile hat sich „die Branche mit dem neuen Tabakgesetz arrangiert, die emotionalen Reaktionen sind weniger geworden“, sagt Norbert Lux, Geschäftsführer der Fachgruppe Kaffeesieder in der Wirtschaftskammer Wien.

 

Zahl der Anzeigen stagniert

Obmann Querfeld schränkt den Befund auf innerstädtische und zentral gelegene Kaffeehäuser ein. Nicht weniger werden die Anzeigen, die Lokalbetreiber bei Verstößen gegen das Tabakgesetz erhalten. Mehr als 100 Anzeigen pro Monat sind es in Wien. „Die Zahl bleibt relativ stabil“, sagt Oliver Birbaumer von der zuständigen Magistratsabteilung. Die Strafen für Lokalbetreiber reichen je nach Schwere des Vergehens und den Einkommensverhältnissen der Lokalbesitzer von 500 Euro beim ersten Mal bis zu mehreren tausend Euro im Wiederholungsfall. Die Höchststrafe beträgt 10.000 Euro. Laut Birbaumer wurde sie bisher einmal verhängt.

Berndt Querfeld hatte nach einem Jahr der Anzeigen genug. Er folgte dem „Trend zum Nichtrauchen“ und führt sein Café Landtmann beim Burgtheater seit Juni dieses Jahres als Nichtraucherlokal– denn „unsere Gäste lernen zunehmend rauchfreie Betriebe zu schätzen“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2011)

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