Südvietnam: Das blutige Ende des Diem-Regimes

Vor 50 Jahren ließen die USA den in Südvietnam verhassten Diktator Ngo Dinh Diem fallen. Die Folge: Einer der blutigsten Kriege der Geschichte.

Suedvietnam blutige Ende DiemRegimes
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Ngo Dinh Diem – (c) imago

Es war der 1. November 1963 als hohe Offiziere in enger Abstimmung mit dem US-Geheimdienst CIA in Saigon einen Putsch verübten. Südvietnams verhasster Diktator Ngo Dinh Diem suchte daraufhin in einer Kirche Zuflucht. Doch sein Versteck blieb nicht geheim: Schon tags darauf wurden er, sein Bruder und sein Sicherheitschef Ngo Dinh Nhu dort bestialisch massakriert. Die USA hatten den Katholikenführer fallen gelassen, da er nach achtjährigen treuen Diensten kein Garant ihrer Politik mehr sein konnte. Sein Sturz bildete den Auftakt zum direkten militärischen Eingreifen Washingtons in Vietnam und zum blutigsten Konflikt nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Koreakrieg.

Nach der 1954 auf der Genfer Indochina-Konferenz beschlossenen Teilung Vietnams war Diem die Aufgabe zugefallen, im Süden die amerikanischen Interessen durchzusetzen und die pro-französischen Kräfte auszuschalten. Dabei hatte der militante Katholik jedoch von Anfang an die buddhistische Mehrheit gegen sich.

US-höriges Regime installiert

Diem beseitigte mit großem Eifer die Bindungen zur alten Kolonialmacht Frankreich. Als Ministerpräsident setzte er im Mai 1955 Kaiser Bao Dai ab und proklamierte die "Republik Vietnam", ein US-höriges Regime, das nicht nur seine kommunistischen Gegner brutal unterdrückte. Nach unabhängigen Schätzungen wurden mehr als 150.000 Menschen inhaftiert und allein zwischen 1955 und 1957 etwa 12.000 Oppositionelle umgebracht. Das ominöse "Gesetz Nr. 6" ermöglichte Freiheitsentzug und Deportation ohne Gerichtsbeschluss und die Schaffung von Konzentrationslagern.

Diems Diktatur löste heftige Proteste der Opposition und Selbstverbrennungen buddhistischer Mönche aus. Die Massenverhaftungen und Zwangsumsiedlungen stärkten die kommunistische "Nationale Befreiungsfront" (Vietcong), die 1959 mit dem Guerillakrieg begann. Um die bäuerliche Bevölkerung dem Einfluss des Vietcong zu entziehen und diesen von der Versorgung abzuschneiden, forcierten die USA in Umsetzung des Taylor-Staley-Planes die Errichtung sogenannter strategischer Dörfer (eingezäunter, bewachter Gebiete für acht Millionen Menschen), und trieben damit immer mehr Vietnamesen in die Arme des kommunistisch gelenkten Widerstandes. Unterdessen floss ein Strom amerikanischer Waffen und Kriegsmaterials in das mit einem Netz von US-Militärbasen überzogene südostasiatische Land.

Suche nach einer Alternative zu Diem

Im September 1963 war US-Verteidigungsminister Robert McNamara nach Saigon gereist, wo der neue Botschafter Henry Cabot Lodge von Präsident Kennedy den Auftrag erhalten hatte, sich nach einer Alternative zu Diem umzusehen. Lang aufgestaute Spannungen hatten sich im Mai in Massenprotesten entladen, es kam in mehreren Städten zu Zusammenstößen mit der Armee, die zahlreiche Demonstranten tötete. In Washington optierte man daraufhin für die Beseitigung eines unpopulären Statthalters, mit dem der Kampf gegen die Kommunisten offenkundig nicht zu gewinnen war.

Zu der Entscheidung, Diem preiszugeben, soll auch dessen Versuch beigetragen haben, in letzter Minute Kontakt zu Nordvietnam aufzunehmen, nachdem er zuvor im Widerspruch zu den Bestimmungen der Genfer Abkommen Verhandlungen über die gleichzeitige Durchführung allgemeiner Wahlen in beiden Landesteilen stets verweigert hatte.

Neue Form des Krieges

21 Tage nach Diems schrecklichem Tod fiel US-Präsident John F. Kennedy selbst einem Mord zum Opfer. Unter seinem Nachfolger Lyndon B. Johnson begann eine neue Phase des Krieges: Nordvietnamesische Städte wurden systematisch bombardiert. Mehr als 13 Millionen Tonnen Munition setzten die USA in Vietnam ein, was der doppelten Menge der auf sämtlichen Kampfschauplätzen des Zweiten Weltkriegs verwendeten Munition entspricht.

Um dem Vietcong seine Rückzugsgebiete und Nachschubwege zu nehmen, besprühten die Amerikaner die Hälfte der Wald- und landwirtschaftlich genutzten Fläche Südvietnams mit Entlaubungsmitteln. Hunderttausende erkrankten an Leukämie oder bösartigen Geschwülsten. Bis heute treten gehäuft Erbschäden auf. Der Einsatz von Herbiziden wie "Agent Orange" und Gewaltexzesse der US-Truppen wie das Massaker von My Lai ließen den Widerstand gegen die Kriegsführung auch in den USA anwachsen. Erst 1973 wurde ein Waffenstillstand geschlossen, 1975/76 kam es zur Wiedervereinigung Vietnams unter kommunistischer Führung.

Abzug aus Vietnam: Ende eines US-Debakels

(APA)

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