Gusenbauer zieht gegen Martins Buch vor Gericht

Ex-Kanzler Gusenbauer hat eine einstweilige Verfügung gegen den Verlag des Buchs "Europafalle" von Hans-Peter Martin eingebracht, weil es "unwahre Behauptungen" über ihn enthalte. Martin spricht von einer "miesen Tour".

Alfred Gusenbauer
Alfred Gusenbauer
(c) AP (Frank Augstein)

Der frühere SP-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer geht gerichtlich gegen das Buch "Europafalle" von Hans-Peter Martin vor. Das teilten Gusenbauers Rechtsanwälte am Sonntag in einer Presseaussendung mit.

Das Buch enthalte "unwahre Behauptungen über unseren Mandanten", heißt es darin. Laut Anwalt Leopold Specht wurde als "erster Schritt" ein Antrag auf einstweilige Verfügung gegen den deutschen Piper Verlag eingebracht. "Aus Gründen des Timings" habe man vor, als nächstes gegen Martin vorzugehen.

Martin: "Ganz miese Tour"

Martin reagierte mit Empörung auf die gerichtlichen Schritte gegen sein Buch. Er sprach in einer Pressekonferenz von einer "ganz miesen Tour" angesichts der bevorstehenden EU-Wahl - und strich persönlich einen Satz (auf Seite 55) aus, in dem Martin Gusenbauer vorwirft, mit Aktienspekulationen geprahlt zu haben. Mit der Schwärzung will Martin für den Fall einer Einstweiligen Verfügung "sicherstellen, dass mein Buch im Handel bleibt".

Offensichtlich falsch ist das in der Fußnote zu der gestrichenen Stelle angegebene Datum, wann eine diesbezügliche Aussage Gusenbauers gefallen sein soll. Laut dem Buch war es bei einer Veranstaltung zum SPÖ-Neujahrsempfang am 10. Jänner 2003 auf der Gloriette. Martin nannte am Montag jedoch wiederholt 2002 - und erklärte am Rande der Pressekonferenz auch, es müsse sich um einen Druckfehler im Buch handeln.

Gusenbauer soll dort erzählt haben, dass er mit seinem Vater Aktien im Wert von 3,7 Millionen verkauft habe - ergänzt um die Anmerkung, dass ihn "solche Brosamen" nicht interessierten. Er selbst habe dies gehört, erklärte Martin am Montag - trug aber auch aus einem Protokoll vor, das seinen Angaben nach von einer Mitarbeiterin der SP-Fraktion im EU-Parlament stammt. Um wen es sich handelt, wollte er nicht sagen.

Martin vermutet hinter dem jetzigen Vorgehen Gusenbauers eine Strategie, um seinen Verbleib im EU-Parlament zu verhindern. Denn er habe Gusenbauer schon mehrfach vorgeworfen, mit Aktienspekulationen zu prahlen. Damals habe Gusenbauer keine rechtlichen Schritte ergriffen. Jetzt, vor der EU-Wahl, würden "gewisse Sozialdemokraten" - darunter der "Kurzzeitkanzler" - versuchen, einen politischen Gegner mit zu kriminalisieren und damit mundtot zu machen. Schon seit Jahren erlebe er "haltlose, falsche Anschuldigungen" und Kriminalisierungsversuche durch "Sozialisten mit stalinistischem Reflex", beklagte Martin, der 1999 Spitzenkandidat der SPÖ für die EU-Wahl war.

(APA)

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