FPÖ: Was wäre Strache ohne Mölzer?

Wieso sich Heinz-Christian Strache so schwertut, die Rechten in seiner Partei loszuwerden: Da er ohne sie nicht wäre, was er ist. Am Montag traf er sich mit Andreas Mölzer zum „persönlichen Gespräch“.

Mölzer, Strache, FPÖ
Mölzer, Strache, FPÖ
Andreas Mölzer und Heinz-Christian Strache – (c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)

Ohne Andreas Mölzer gäbe es Heinz-Christian Strache nicht. Also den FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Wieder einmal war es eine EU-Wahl. Diesmal jene von 2004. Hans Kronberger war Spitzenkandidat der Haider-FPÖ. Andreas Mölzer war unter ferner liefen gereiht, mobilisierte – nicht zuletzt über sein Magazin „Zur Zeit“ – den nationalkonservativen Flügel der FPÖ und nahm mit seinem erfolgreichen Vorzugsstimmenwahlkampf Kronberger das Mandat ab. Die Folge war ein nicht mehr zu kittender Bruch: jener Jörg Haiders mit dem nationalen Flügel. Haider gründete daraufhin das BZÖ. Chef der FPÖ wurde der von „Zur Zeit“ und Andreas Mölzer seit Längerem protegierte Heinz-Christian Strache.

Diese Allianz Mölzer/Strache steht nun vor einer Zerreißprobe. Nicht der ersten übrigens. Mölzer ließ immer wieder durchblicken, dass er Strache nicht für die allergrößte intellektuelle Leuchte hält. Und Strache, dass die FPÖ beim – großteils eher unideologischen Wahlvolk – ohne Mölzer besser dastünde.

Am späten Montagnachmittag traf sich Strache dann mit Mölzer zur angekündigten Aussprache. Über den Inhalt wurde Stillschweigen vereinbart. Offiziell soll der Parteivorstand am Mittwoch darüber entscheiden, ob Mölzer Spitzenkandidat für die EU-Wahl bleibt. Ihre EU-Liste reicht die FPÖ erst am letztmöglichen Tag, am Freitag, ein.

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Lose-lose-Situation für Strache

Für Strache ist es eine Lose-lose-Situation. Hält er an Mölzer fest, wird die Kritik andauern, die sich in schlechten Umfragewerten, möglicherweise auch in einem schlechten Wahlergebnis niederschlägt. Lässt er Mölzer fallen, riskiert er den Konflikt mit dem nationalen Kern der Partei. Und die Partei wird immer noch von diesem getragen. Es sind jene, die nach der BZÖ-Abspaltung der FPÖ treu geblieben sind. Und dass Mölzers Blatt, „Zur Zeit“, mittlerweile in zweiter Generation von Wendelin Mölzer geführt, dann gegen Strache Stimmung macht, wie weiland gegen Jörg Haider, kann der FPÖ-Chef auch nicht brauchen.

Auch Barbara Rosenkranz' Kandidatur für die Bundespräsidentenwahlen im Jahr 2010 ist in diesem Licht zu sehen: Einerseits war ihre Nominierung ein Tribut an den nationalen Flügel, andererseits erhoffte sich Strache die Unterstützung der „Kronen Zeitung“, in der Rosenkranz damals wohlgelitten war. Der damalige Herausgeber, Hans Dichand, hatte einen Narren an ihr gefressen. Die „Krone“ ließ Rosenkranz dann nach umstrittenen Aussagen zur NS-Zeit zwar fallen, Strache ging halbherzig auf Distanz. Eine Ablöse wagte er nicht. Heute sitzt Rosenkranz wieder im Nationalrat.

Eine wesentliche Komponente, wieso sich Heinz-Christian Strache so schwertut, die Rechten in seiner Partei loszuwerden, ist allerdings: weil er selbst einer ist beziehungsweise war. Er ist Burschenschafter, begann seine politische Karriere am rechten Rand der Wiener FPÖ und wurde zum Hoffnungsträger der Nationalen, als Haider Richtung Mitte abbog.

Und als im Jahr 2007 Straches Wehrsportfotos publiziert wurden, war es nicht zuletzt auch Mölzer, der ihm die Mauer machte: „Das sind offensichtlich Indianerspiele unter 17-, 18-Jährigen gewesen. Das war zwar nicht sonderlich intelligent, aber mit Wehrsportübungen hat das nichts zu tun“, erklärte der frühere Chefideologe der FPÖ. Nun, da sich Mölzer in einer ähnlichen Situation befindet, müsste sich Strache eigentlich hinter ihn stellen. Tut er das nicht, würde ihm das von den Traditionalisten schon als Verrat ausgelegt werden. Und Verrat ist in einer Partei, in der nach wie vor viel Wert auf Begriffe wie Treue gelegt wird, schwerwiegend.

Mölzer: Der Aufreger aus dem rechten Flügel stolpert über Alaba

Mölzer-Sager

Andreas Mölzer geriet nun unter Beschuss, da er davon gesprochen hatte, dass die EU zum „Negerkonglomerat“ zu werden drohe, und er die EU mit dem NS-Regime verglich, das weniger Vorschriften gehabt habe. Bereits vor zwei Jahren wurde der Fußballer David Alaba in Mölzers „Zur Zeit“ als „pechrabenschwarz“ verunglimpft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.04.2014)

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