Ex-ÖVP-Chefs: Das schwierige Leben nach der Politik

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Für Michael Spindelegger beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Nach über einem halben Jahr seit seinem Abschied aus der Politik, hat der gelernte Jurist eine neue Aufgabe für sich gefunden. Er wird Direktor der Agentur für die Modernisierung der Ukraine (AMU).

Dass das Finden einer angemessenen Tätigkeit nicht so einfach ist, darüber können auch andere ehemalige ÖVP-Chefs ein Lied singen.


(Von Martin Fritzl und Rainer Nowak)(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
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Allen voran Erhard Busek, der 1995 als 54-Jähriger abgelöst wurde. Eine echte Aufgabe konnte oder besser gesagt wollte sein Nachfolger Wolfgang Schüssel für ihn nicht finden. Sogar im ÖVP-Klub war, wie Busek erst am Montag bei der Präsentation seines Buches „Lebensbilder“ im Gespräch mit der „Presse“ erzählte, keine einzige relevante Ausschuss-Funktion für ihn vorgesehen.

Daher zog er sich aus dem Nationalrat zurück. Seine Frau habe ihm später gesagt, er habe plötzlich begonnen, Blumen umzutopfen. Daran könne er sich zwar gar nicht mehr erinnern, wohl aber, wie er schreibt, dass seine Frau offenbar Freunde und politische Wegbegleiter angerufen habe, um sich mit ihm, Busek, zu verabreden. „Denn plötzlich war der Terminkalender leer.“ Schüssel habe ihm später wohl noch die Position des Leiters eines Kulturinstituts angeboten – „aber das hätte er im Außenressort nie durchgebracht“. Das Ende der Freundschaft zu Wolfgang Schüssel nennt Busek den „einzigen Schmerz, der mir aus der politischen Zeit geblieben ist“. Die Gründe dafür kenne er eigentlich „nicht so genau“, vielleicht dass es nie ein klärendes Gespräch zwischen ihnen gegeben habe, vielleicht Buseks Kritik an Schwarz-Blau. „Wahrscheinlich war ich zu empfindlich der Tatsache wegen, dass man mich nach dem Ausscheiden aus der Regierung nicht mehr brauchen konnte“, schreibt Busek. Derzeit fungiert der nun 73-Jährige als Präsident des Instituts für den Donauraum, Präsident des Gustav-Mahler-Jugendorchesters und Obmann des Kammermusikfestes Lockenhaus.(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
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Den Umstieg in die Privatwirtschaft geschafft hat dagegen Spindeleggers Vorgänger Josef Pröll, der auf seine Kontakte zur Raiffeisen-Organisation bauen konnte: Er leitet nun den Raiffeisen-Konzern Leipnik-Lundenburger.

Pröll, der die Politik weiterhin beobachtet, aber im Gegensatz zu machen seiner Kollegen nicht kommentiert, nannte als größten Vorteil des Lebens nach der Politik, die Möglichkeit der eigenen Entscheidung. In einem Konzern würden Projekte geprüft, berechnet und abgewogen, dann entschieden und erst am Schluss kommuniziert. In der Politik sei es genau umgekehrt – genau das mache die handelnden Personen zu Getriebenen, sagt Pröll heute.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Etwas länger hat es bei Prölls Vorgänger Wilhelm Molterer gedauert, bis er beruflich wieder durchstarten konnte. Der Kurzzeit-Parteichef, der 2007 Wolfgang Schüssel nachgefolgt war und nach der verlorenen Neuwahl 2008, die er selbst angezettelt hatte („Es reicht!“), wieder abtreten musste, blieb drei Jahre lang einfacher Abgeordneter der ÖVP. Erst dann fand die Partei einen Job und kürte den früheren Finanzminister zum Vizepräsidenten der Europäischen Investitionsbank.(c) Michaela Bruckberger
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Schüssel selbst war schon 61, als er sich nach der verlorenen Nationalratswahl 2006 von der Spitze der ÖVP zurückzog. Eine Karriere abseits der Politik war daher nicht mehr so dringlich. Zwei Jahre lang zog er aber weiterhin, als Chef des ÖVP-Parlamentsklubs, die Fäden. Daneben sicherte er sich als Aufsichtsrat des deutschen Energiekonzerns RWE ein einträgliches Nebengeschäft – das ihm aber, aufgrund der Atomkraft-Aktivitäten des Konzerns etliche kritische Kommentare einbrachte.(c) APA (HANS KLAUS TECHT)
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Interessanterweise zog es frühere SPÖ-Chefs eher in die Privatwirtschaft: Alfred Gusenbauer (Bild) baute sich – nach einem Intermezzo bei der Arbeiterkammer Niederösterreich – ein florierendes Consulting-Unternehmen auf und sitzt in etlichen Aufsichtsräten – etwa als Aufsichtsratschef des Baukonzerns Strabag, bei der RHI und bei Rene Benkos Signa. Sein Vorgänger Viktor Klima wechselte zum VW-Konzern und wurde Chef von Volkswagen in Südamerika. Und auch Franz Vranitzky war nach seinem Ausscheiden aus der Politik in etlichen Aufsichtsräten aktiv.(c) Presse / Bruckberger
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