Andreas Schieder: "Roter Feuerlöscher" mit Ladehemmung

Nach Querelen in der eigenen Partei wurde Andreas Schieder SPÖ-Spitzenkandidat - konnte die roten Hoffnungen aber nur teils erfüllen und das türkis-blaue Regierungs-Aus so gar nicht nützen.

Andreas Schieder stilisierte sich im Wahlkampf als "roter Feuerlöscher" gegen Türkis und Blau, ging aber letztlich mit Ladehemmung aus dem Urnengang: So wurde es für die SPÖ Platz zwei mit einem leichten Minus, trotz der "Ibiza-Krise".

Es ist nicht die erste Niederlage des Wieners, die er in den vergangenen Monaten einstecken musste: Erst scheiterte er auf dem Weg zum Wiener Bürgermeisteramt, dann wurde er als Klubobmann er SPÖ demontiert.

Die Presse

Der am 16. April 1969 in Wien geborene Schieder ist Magister der Volkswirtschaftslehre. Sein Leben in Funktionen: Schieder war 1994-1997 Vizepräsident der Sozialistischen Jugendinternationale, 1997-1999 Präsident der Europäischen Jungsozialisten, 1997-2006 Abgeordneter zum Wiener Landtag, ab 2002 Bezirksvorsitzender der SPÖ Penzing, ab Oktober 2006 Nationalratsabgeordneter, von Juli 2008 an Staatssekretär, zunächst im Kanzleramt, danach im Finanzministerium, ab Oktober 2013 Klubobmann der SPÖ, von November 2017 bis Oktober 2018 geschäftsführender Klubobmann der SPÖ. Seit Juni 2016 ist Schieder stellvertretender SPÖ-Vorsitzender, seit 2014 Vorsitzender der Naturfreunde.

Die Presse

Schieders politischer Blick ging schon früh über die Landesgrenzen hinaus. Internationale Kontakte pflegt der reisefreudige Profi-Politiker seit seinen 20ern beständig. Als außenpolitischer Sprecher fungierte Schieder fast seit Beginn seiner Karriere im Nationalrat im Jahr 2006, wobei er da auch schon auf ein Jahrzehnt kommunalpolitischer Erfahrung im Wiener Gemeinderat zurückgreifen konnte. Penzinger SPÖ-Chef war Schieder damals ebenfalls schon, wie davor sein Vater Peter, ebenfalls ein profilierter Außenpolitiker und vormaliger SPÖ-Zentralsekretär.

Die Presse

Früh galt der junge Schieder als Hoffnungsträger seiner Partei. Im Nationalrat hielt es Schieder nicht lange. Kurz vor der von der ÖVP vom Zaun gebrochenen Neuwahl 2008 übernahm er das Beamten-Staatssekretariat, nach dem Urnengang wurde er dem ÖVP-Chef und Finanzminister Josef Pröll zur Seite gestellt, wobei gleich alle möglichen Banken, speziell die Kärntner Hypo zu retten waren. Mit dem schwarzen Vizekanzler tat er sich dennoch leichter als mit dessen Nachfolgerin Maria Fekter.

 

APA/HERBERT PFARRHOFER

Im Oktober 2013 nahm der leidenschaftliche Rapid-Fan die nächste Sprosse auf der Karriere-Leiter: die Führung des roten Klubs. Anfangs noch skeptisch beäugt, erarbeitete sich Schieder durchaus Respekt unter seinen Parlamentariern. Als er in Folge der Wahlniederlage der SPÖ 2017 quasi zwangsläufig zum geschäftsführenden Klubobmann degradiert wurde, erhielt er in der Fraktion überzeugende 95 Prozent.

Das Verhältnis zu Parteichef Christian Kern, das vor dessen Einstieg in die Politik noch ausgezeichnet gewesen war, kühlte rasch ab. In den vergangenen Monaten wurde im besten Fall nebeneinander, aber nicht miteinander gearbeitet. Ohnehin gilt Schieder nicht als allzu einfach, verfügt er doch über ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und neigt nicht immer zur Diplomatie.

APA/ROBERT JAEGER

Die unbefriedigende Situation im Parlament und die Verlockung, das Wunschziel Wiener Bürgermeisteramt zu erreichen, ließ Schieder heuer in eine schwer zu gewinnende Schlacht gegen Michael Ludwig um den Wiener Parteivorsitz bei den Sozialdemokraten ziehen. Die Niederlage des vom linken Flügel favorisierten Pragmatikers fiel deutlicher aus, als selbst die meisten in der Partei erwartet hatten. Schieder blieb zwar sein alter Job, Motivation und Standing waren aber schon einmal größer.

APA/HELMUT FOHRINGER

Dass es politisch manchmal steiler bergab geht als noch kurz davor vermutet, musste der Vorsitzende der Naturfreunde miterleben, als Kern überraschend der Parteispitze den Rücken kehrte: Denn Nachfolgerin Pamela Rendi-Wagner, von der Schieder nicht der größte Fan zu sein scheint, montierte ihn kurzerhand ab. Hätte nicht Kern schon wieder hingeschmissen, diesmal die EU-Spitzenkandidatur, wäre Schieder wohl nichts anderes übriggeblieben, als den Rest der Legislaturperiode mit der mäßig bedeutenden Rolle des außenpolitischen Sprechers einer Oppositionspartei und der eines von vielen Stellvertretern der Klubobfrau abzudienen.

APA/GEORG HOCHMUTH

Schieder setzte im Wahlkampf auf betont sozialdemokratische Kernthemen, die Kontrolle von Großkonzernen etwa. "Mensch statt Konzern" wurde plakatiert; in den Fernsehduellen erwies sich Schieder als verlässlicher Sager-Lieferant. Die "Ibiza-Affäre", die in Wien die türkis-blaue Koalition sprengte, vermerkte die SPÖ nicht nur auf ihren Plakaten, nein ...

imago images / Viennareport

... Schieder ließ es sich auch nicht nehmen, selber am Ballhausplatz aufzutauchen und sich unter die Demonstranten zu mischen, die auf den Rücktritt von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache warteten. Rendi-Wagner fehlte dort übrigens.

imago images / Viennareport

Brüssel und Straßburg stellen für den begeisterten Sportler, der von Yoga über Bergsteigen bis Mountainbike durchaus öffentlichkeitswirksam jede Menge Bewegung betreibt, also einen gangbaren Ausweg dar. Erstmals konnte sich Schieder zudem an der Spitze einer Wahlliste auf höherem Level beweisen und vor allem seinen Wiener Genossen zeigen, dass er auch als Frontmann gute Figur machen kann.

APA/HANS PUNZ

Zur Person:

Andreas Schieder, geboren am 16.4. 1969 in Wien, Magister der Volkswirtschaftslehre, in einer Lebensgemeinschaft mit Sonja Wehsely, ein gemeinsamer Sohn. 1994-1997 Vizepräsident der Sozialistischen Jugendinternationale, 1997-1999 Präsident der Europäischen Jungsozialisten, 1997-2006 Abgeordneter zum Wiener Landtag, ab 2002 Bezirksvorsitzender der SPÖ Penzing, ab Oktober 2006 Nationalratsabgeordneter, von Juli 2008 an Staatssekretär, zunächst im Kanzleramt, danach im Finanzministerium, ab Oktober 2013 Klubobmann der SPÖ, von November 2017 bis Oktober 2018 geschäftsführender Klubobmann der SPÖ. Seit Juni 2016 stellvertretender SPÖ-Vorsitzender. Ab 2014 Vorsitzender der Naturfreunde.

APA/AFP/ALEX HALADA
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Andreas Schieder stilisierte sich im Wahlkampf als "roter Feuerlöscher" gegen Türkis und Blau, ging aber letztlich mit Ladehemmung aus dem Urnengang: So wurde es für die SPÖ Platz zwei mit einem leichten Minus, trotz der "Ibiza-Krise".

Es ist nicht die erste Niederlage des Wieners, die er in den vergangenen Monaten einstecken musste: Erst scheiterte er auf dem Weg zum Wiener Bürgermeisteramt, dann wurde er als Klubobmann er SPÖ demontiert.

Die Presse

Der am 16. April 1969 in Wien geborene Schieder ist Magister der Volkswirtschaftslehre. Sein Leben in Funktionen: Schieder war 1994-1997 Vizepräsident der Sozialistischen Jugendinternationale, 1997-1999 Präsident der Europäischen Jungsozialisten, 1997-2006 Abgeordneter zum Wiener Landtag, ab 2002 Bezirksvorsitzender der SPÖ Penzing, ab Oktober 2006 Nationalratsabgeordneter, von Juli 2008 an Staatssekretär, zunächst im Kanzleramt, danach im Finanzministerium, ab Oktober 2013 Klubobmann der SPÖ, von November 2017 bis Oktober 2018 geschäftsführender Klubobmann der SPÖ. Seit Juni 2016 ist Schieder stellvertretender SPÖ-Vorsitzender, seit 2014 Vorsitzender der Naturfreunde.

Die Presse

Schieders politischer Blick ging schon früh über die Landesgrenzen hinaus. Internationale Kontakte pflegt der reisefreudige Profi-Politiker seit seinen 20ern beständig. Als außenpolitischer Sprecher fungierte Schieder fast seit Beginn seiner Karriere im Nationalrat im Jahr 2006, wobei er da auch schon auf ein Jahrzehnt kommunalpolitischer Erfahrung im Wiener Gemeinderat zurückgreifen konnte. Penzinger SPÖ-Chef war Schieder damals ebenfalls schon, wie davor sein Vater Peter, ebenfalls ein profilierter Außenpolitiker und vormaliger SPÖ-Zentralsekretär.

Die Presse

Früh galt der junge Schieder als Hoffnungsträger seiner Partei. Im Nationalrat hielt es Schieder nicht lange. Kurz vor der von der ÖVP vom Zaun gebrochenen Neuwahl 2008 übernahm er das Beamten-Staatssekretariat, nach dem Urnengang wurde er dem ÖVP-Chef und Finanzminister Josef Pröll zur Seite gestellt, wobei gleich alle möglichen Banken, speziell die Kärntner Hypo zu retten waren. Mit dem schwarzen Vizekanzler tat er sich dennoch leichter als mit dessen Nachfolgerin Maria Fekter.

 

APA/HERBERT PFARRHOFER

Im Oktober 2013 nahm der leidenschaftliche Rapid-Fan die nächste Sprosse auf der Karriere-Leiter: die Führung des roten Klubs. Anfangs noch skeptisch beäugt, erarbeitete sich Schieder durchaus Respekt unter seinen Parlamentariern. Als er in Folge der Wahlniederlage der SPÖ 2017 quasi zwangsläufig zum geschäftsführenden Klubobmann degradiert wurde, erhielt er in der Fraktion überzeugende 95 Prozent.

Das Verhältnis zu Parteichef Christian Kern, das vor dessen Einstieg in die Politik noch ausgezeichnet gewesen war, kühlte rasch ab. In den vergangenen Monaten wurde im besten Fall nebeneinander, aber nicht miteinander gearbeitet. Ohnehin gilt Schieder nicht als allzu einfach, verfügt er doch über ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und neigt nicht immer zur Diplomatie.

APA/ROBERT JAEGER

Die unbefriedigende Situation im Parlament und die Verlockung, das Wunschziel Wiener Bürgermeisteramt zu erreichen, ließ Schieder heuer in eine schwer zu gewinnende Schlacht gegen Michael Ludwig um den Wiener Parteivorsitz bei den Sozialdemokraten ziehen. Die Niederlage des vom linken Flügel favorisierten Pragmatikers fiel deutlicher aus, als selbst die meisten in der Partei erwartet hatten. Schieder blieb zwar sein alter Job, Motivation und Standing waren aber schon einmal größer.

APA/HELMUT FOHRINGER

Dass es politisch manchmal steiler bergab geht als noch kurz davor vermutet, musste der Vorsitzende der Naturfreunde miterleben, als Kern überraschend der Parteispitze den Rücken kehrte: Denn Nachfolgerin Pamela Rendi-Wagner, von der Schieder nicht der größte Fan zu sein scheint, montierte ihn kurzerhand ab. Hätte nicht Kern schon wieder hingeschmissen, diesmal die EU-Spitzenkandidatur, wäre Schieder wohl nichts anderes übriggeblieben, als den Rest der Legislaturperiode mit der mäßig bedeutenden Rolle des außenpolitischen Sprechers einer Oppositionspartei und der eines von vielen Stellvertretern der Klubobfrau abzudienen.

APA/GEORG HOCHMUTH

Schieder setzte im Wahlkampf auf betont sozialdemokratische Kernthemen, die Kontrolle von Großkonzernen etwa. "Mensch statt Konzern" wurde plakatiert; in den Fernsehduellen erwies sich Schieder als verlässlicher Sager-Lieferant. Die "Ibiza-Affäre", die in Wien die türkis-blaue Koalition sprengte, vermerkte die SPÖ nicht nur auf ihren Plakaten, nein ...

imago images / Viennareport

... Schieder ließ es sich auch nicht nehmen, selber am Ballhausplatz aufzutauchen und sich unter die Demonstranten zu mischen, die auf den Rücktritt von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache warteten. Rendi-Wagner fehlte dort übrigens.

imago images / Viennareport

Brüssel und Straßburg stellen für den begeisterten Sportler, der von Yoga über Bergsteigen bis Mountainbike durchaus öffentlichkeitswirksam jede Menge Bewegung betreibt, also einen gangbaren Ausweg dar. Erstmals konnte sich Schieder zudem an der Spitze einer Wahlliste auf höherem Level beweisen und vor allem seinen Wiener Genossen zeigen, dass er auch als Frontmann gute Figur machen kann.

APA/HANS PUNZ

Zur Person:

Andreas Schieder, geboren am 16.4. 1969 in Wien, Magister der Volkswirtschaftslehre, in einer Lebensgemeinschaft mit Sonja Wehsely, ein gemeinsamer Sohn. 1994-1997 Vizepräsident der Sozialistischen Jugendinternationale, 1997-1999 Präsident der Europäischen Jungsozialisten, 1997-2006 Abgeordneter zum Wiener Landtag, ab 2002 Bezirksvorsitzender der SPÖ Penzing, ab Oktober 2006 Nationalratsabgeordneter, von Juli 2008 an Staatssekretär, zunächst im Kanzleramt, danach im Finanzministerium, ab Oktober 2013 Klubobmann der SPÖ, von November 2017 bis Oktober 2018 geschäftsführender Klubobmann der SPÖ. Seit Juni 2016 stellvertretender SPÖ-Vorsitzender. Ab 2014 Vorsitzender der Naturfreunde.

APA/AFP/ALEX HALADA