Homo-Ehe: Keine Zeremonie im Grazer Trauungssaal

Der Trauungssaal im Grazer Rathaus wird nicht für die Eintragung von homosexuellen Partnerschaften geöffnet. Grüne und SPÖ sind enttäuscht und kritisieren VP-Bürgermeister Nagl.

Trauungssaal im Grazer Rathaus wird nicht für die Eintragung von homosexuellen Partnerschaften geöffnet
Trauungssaal im Grazer Rathaus wird nicht für die Eintragung von homosexuellen Partnerschaften geöffnet
(c) AP (Darryl Bush)

Nach wochenlangen Gesprächen hat der Grazer VP-Bürgermeister Siegfried Nagl am Montag per Aussendung bekanntgegeben, dass zwar das Mediacenter im Rathaus als Rahmen für die eingetragene Partnerschaft von homosexuellen Paaren geöffnet werden wird, nicht jedoch der Trauungssaal. Dies war zuletzt von Vertretern gleichgeschlechtlicher Interessensorganisationen gefordert worden.

Vizebürgermeisterin Lisa Rücker (Grüne), die selbst offen lesbisch lebt, zeigte sich enttäuscht: "Dass eine feierliche Zeremonie nicht möglich ist, ist für mich ein Schlag ins Gesicht." Der Grazer SP-Chef und Stadtrat Wolfgang Riedler forderte eine Öffnung des Trauungssaals.

Eheschließungen vorbehalten

Nagl begründete die Entscheidung damit, dass der Trauungssaal - "wie der Name sagt"- ein Trauungssaal sei und damit der Eheschließung vorbehalten bleibe. Mit dem Zugang zum Mediacenter im Rathaus will er Lesben und Schwulen eine Alternative zum nahen Amtshaus in der Schmiedgasse bieten.

SPÖ: "Unwürdige Posse"

Riedler bezeichnete die Vorgangsweise von Nagl als "unwürdige Posse". "Wir stellen uns voll hinter die Wünsche und Forderungen der schwul-lesbischen Community: Der Trauungssaal muss auch für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet werden," so der Stadtrat in einer Aussendung.

Rücker: "Nicht überrascht"

Vizebürgermeisterin Rücker versicherte, sie sei aber nicht überrascht gewesen, dass Nagl den Trauungssaal nicht öffnen will: "Es war für ihn eine große Sache, überhaupt das Rathaus mit dem Mediacenter bereitzustellen." Er habe damit den Unmut einiger erzkonservativen Parteimitglieder auf sich gezogen.

Was sie persönlich aber schon treffe, sei die Tatsache, dass ihr Regierungspartner die Zeremonie - auch im Mediacenter - offenbar nicht dulde und auch externe Eintragungen wie etwa im Schloss Eggenberg nicht möglich seien. Nagl müsste dazu lediglich Säle zu Bezirkverwaltungsräumen erklären, dann könnte ein Beamter dort die Eintragung vornehmen, meinte Rücker.

Bewilligung fehlt

Am Montag stand die Entscheidung in punkto Schloss Eggenberg jedenfalls noch aus. Dieses will der Verwalter, das Universalmuseum Joanneum, für die Eintragung von Partnerschaften öffnen. Die politische Bewilligung fehlt aber noch.

(APA)

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