André Heller kehrt der SPÖ den Rücken zu

Der Künstler André Heller bricht wegen Werner Faymann mit der Sozialdemokratie. "Beschämende Geistlosigkeit, radikales Fehlen an Einsicht und Würde", kritisiert Heller den Kanzler und SPÖ-Parteichef.

André Heller bricht mit der SPÖ
André Heller bricht mit der SPÖ
(c) EPA (Ulrich Perrey)

André Heller hat mit der von ihm durch Jahrzehnte unterstützten Sozialdemokratie gebrochen. Das erklärt der österreichische Künstler in einem Interview für die am Donnerstag erscheinende Ausgabe der Info-Illustrierten "News".

Ende des Kreisky-Weges

Heller, der sich "nach einem Jahr der Exerzitien" erstmals wieder zu Wort meldet, sagt: "Als Herr Faymann, von keinem Selbstzweifel getrübt, das SPÖ- und Staatsruder übernahm, war mir und wohl auch Zehntausenden anderen sofort klar, dass dies für uns das Ende jenes berühmten von Kreisky erbetenen 'Stücks eines gemeinsamen Weges' ist". Die Gürtellinie für beinah alles, was seine Freunde und er als Grundwerte sozialdemokratischen Denkens und Handelns empfinden, "ist unter Faymann zu den Knöcheln, häufig sogar zu den Fersen verlagert", bedauert der Künstler.

Konkret nennt Heller den Mangel an "unpopulistischer sozialer Kompetenz und gelebter Solidarität gegenüber Schwächeren und Flüchtlingen, (...) Interesse für die mehr als berechtigten Nöte der Studierenden und die Bedürfnisse einer ethischen Forschung."

"Beschämende Geistlosigkeit"

Heller weiter: "Was sich voraussehbarerweise unter Faymann und seinen Halbgetreuen manifestierte, war und ist (...) eine beschämende Geistlosigkeit, ein radikales Fehlen an Einsichten und Würde. Die Internationalität und Europa schlechthin sind kein Kriterium mehr. Ein krasser Mangel an Autorität und Gestaltungswillen herrschen vor. Stattdessen leistet man sich dauernd ein Angsthasengestarre auf Umfragewerte, und ein Sich-Tag-und-Nacht-Anbiedern an den Boulevard und dessen Manipulatoren bestimmt das Weltbild. Man könnte sagen: Wo es keine 'Kronen Zeitungs'-Kolportage gibt, muss man im derzeitigen Bundeskanzler-Selbstverständnis offenbar gar nicht hindenken. All dies ist konsequenterweise gepaart mit einem beinah gelangweilten Sich-Distanzieren von Kultur in jeglicher Erscheinungsform, und in diesem Sinn wird nebenbei auch noch rasch der für die Feinabstimmung Österreichs so sehr wichtige ORF ruiniert."

(Red.)

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