Die Wehrdienst-Karrieren unserer Politiker

Vom "Hilfsausbildner" Josef Cap über den Unteroffiziersmessen-"Haubenkoch" Josef Bucher bis zum Reserve-Leutnant Christoph Chorherr. Werner Faymann zog seinerzeit den Zivildienst vor.

WehrdienstKarrieren unserer Politiker
WehrdienstKarrieren unserer Politiker
Fischer mit Soldaten – (c) APA (Herbert P. Oczeret)

Was viele nicht wissen: Josef Cap war in seiner Jugend ein gefürchteter Ausbildner beim Bundesheer“, schrieb die Tageszeitung „Österreich“ vergangene Woche. „Gefürchteter Ausbildner? Na ja“, lacht Josef Cap. Er sei damals, erzählt der SPÖ-Klubobmann, als „Hilfsausbildner“ den Unteroffizieren zur Seite gestanden. Anfang der 70er habe er in Wien-Kagran „sechs plus drei Monate“ am Stück abgedient. Gleich nach der Matura, da sei er noch nicht sonderlich aufmüpfig gewesen. Das kam erst später, als Juso-Chef.

„Ich wollte nie im Büro sitzen beim Bundesheer. Ich wolle raus ins Gelände, den Körper trainieren“, sagt Cap. Mit Freude erinnere er sich etwa noch an den 80 Kilometer langen Wien-Krems-Mautern-Marsch. Abgerüstet habe er dann als Gefreiter.

Wie auch sein ÖVP-Pendant Karlheinz Kopf. Er diente von Oktober 1975 bis Mai 1976 beim Jägerbataillon 23 in Bregenz. „Es war zwar eine Zeit mit einigen Leerläufen, trotzdem habe ich einiges gelernt, das später im Leben hilfreich war“, meint der Klubobmann.

Dessen Parteichef Josef Pröll war ebenfalls bei der Infanterie, beim Landwehrstammregiment 32 im niederösterreichischen Horn. „Ich halte das für einen guten Dienst am Staat und der Gesellschaft und sehe keinen Grund, in ein teureres Berufsheer auszuweichen“, sagte er vor kurzem in der „Presse“. „Ich halte auch demokratiepolitisch viel davon, dass Jugendliche Wehrdienst oder Zivildienst leisten.“

SPÖ-Vorsitzender Werner Faymann zog seinerzeit den Zivildienst vor – wie auch Verteidigungsminister Norbert Darabos in einem Jugendzentrum in Wien. Der Auslöser der aktuellen Debatte, Bürgermeister Michael Häupl, war hingegen Soldat. In Mautern bei Krems leistete er als Funker seinen Präsenzdienst ab. Der sozialdemokratische Arbeiterkammerpräsident Herbert Tumpel war als „Ranger“ sogar Teil der Elitetruppe des Bundesheeres.

Sieben-Schilling-Menü. BZÖ-Obmann Josef Bucher diente acht Monate in der Windisch-Kaserne in Klagenfurt. Der Wirtssohn war als Küchenchef in der Unteroffiziersmesse eingeteilt. „Wir haben uns als Haubenköche versucht.“ Mit Erfolg. Binnen kurzer Zeit war das Offizierskasino leer, und die Offiziere gingen lieber zu den Unteroffizieren essen – wegen Buchers täglichem, gastronomisch aufgewertetem Sieben-Schilling-Menü.

Heute noch im Heer aktiv ist Buchers Parteikollege Herbert Scheibner – im Rang eines Wachtmeisters als Milizsoldat im Jagdbataillon W2 Maria Theresia. Scheibner war immerhin auch einmal Verteidigungsminister.

FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache – er hatte in seiner Jugend bereits paramilitärische Erfahrungen in Kärntner Wäldern gesammelt – absolvierte seinen Präsenzdienst in der Stammersdorfer Van-Swieten-Kaserne und machte sogar die „Vorbereitende Kaderausbildung“ – die Voraussetzung für eine Unteroffizierskarriere. Das Projekt hat er aber anscheinend nicht weiterverfolgt. Sein Dienstgrad: Korporal.

Rar gesät sind ehemalige Grundwehrdiener bei den Grünen. Nicht nur Peter Pilz, der für die Öko-Partei in der Bundesheerreformkommission saß, hat Zivildienst gemacht. Dafür haben die Grünen aber sogar einen echten Reserveoffizier anzubieten: Christoph Chorherr, ehemaliger Parteichef und Wiener Gemeinderat. Dieser hat das EF-Jahr (Einjährig-Freiwillig) als Jäger in Kaisersteinbruch, Mautern und Wöllersdorf absolviert – einige Zeit verbrachte er wegen Aufmüpfigkeit und Frechheit im Bundesheer-Arrest.

„Daher bin ich ein leidenschaftlicher Anhänger der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht. Denn in einem ohnehin schon obrigkeitshörigen Land wird einem kritisches und selbstständiges Denken beim Bundesheer systematisch ausgetrieben“, findet Leutnant Chorherr. „Es wurde versucht, einem einen schwer autoritären Charakter einzuimpfen.“ Wegen seiner Bundesheer-Erlebnisse sei er aber nicht zum Grünen geworden, dafür seien schon Zwentendorf und Hainburg verantwortlich gewesen.

Ebenfalls für ein Jahr freiwillig verpflichtete sich ÖVP-Außenminister Michael Spindelegger nach der Matura. Als Oberleutnant ist der Milizoffizier heute der militärisch Ranghöchste unter den Regierungsmitgliedern. Und der Oberbefehlshaber des Bundesheeres? Ist vom Dienstgrad Zugsführer, also immerhin im höchsten Chargen-Rang. Im Jahre 1958 war Heinz Fischer in die Trostkaserne in Wien-Favoriten zum Heerestelegrafen-Bataillon eingerückt. „Mich in das System des Befehlens und Gehorchens einzuordnen und die Zweckmäßigkeit dieser Strukturen zu akzeptieren, fiel mit nicht leicht“, erzählte er in Elisabeth Horvaths Biografie. Möglicherweise hat er dabei aber etwas für seine politische Karriere gelernt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2010)

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