Heute vor 90 Jahren: Die japanische Polizei und die Eintänzerinnen

Tanzlokale, in denen moderne Jünglinge und Mädchen Zerstreuung suchen, machen dieser Polizei ungeheuer viel zu schaffen. Auch auf die Verfolgung “gefährlicher Gedanken” verwendet die Polizei viel Zeit.

Neue Freie Presse am 24. Mai 1929

Aus Tokio wird uns geschrieben: Daß die Einbrecher ihr Handwerk in Tokio verhältnismäßig ungestört ausüben können, wird nicht überraschen, wenn man die vielfältigen Interessen in Betracht zieht, die den Geist der Polizei dieser Stadt ständig erfüllen. Beinahe jede Nummer der fremdsprachigen Presse enthält hier Berichte über die Tätigkeit der Polizei als Hüterin der Reinheit der Sitte und der Gedanken. Tanzlokale, in denen moderne Jünglinge und Mädchen Zerstreuung suchen, machen dieser Polizei ungeheuer viel zu schaffen. Die Polizei geht davon aus, daß Tänze im sogenannten westlichen Stil unsittlich seien. Sie gibt nicht nur unzählige und ausführliche Tanzverordnungen heraus, sie stellt auch erschöpfende Statistiken auf und erfaßt darin die feinsten, zahlenmäßig charakterisierbaren Eigenschaften der Eintänzerinnen und ihrer männlichen Gäste mit einer Genauigkeit von fünf und mehr Dezimalstellen.

Sie sind bereits Abonnent?

Klicken Sie hier, um sich einzuloggen

Lesen Sie mehr zum Thema
Meistgekauft
    Meistgelesen