Österreichs Aufsichtsräte sind nicht divers

Allerdings glauben viele, sie wären es.

Wichtig, ja so wichtig sei Diversität in Österreichs Aufsichtsräten, finden jedenfalls 88 Prozent der österreichischen Aufsichtsräte, die im Zuge einer aktuellen Studie des Instituts für Strategisches Management der Wirtschaftsuniversität Wien befragt worden sind.

Sie wurde am Dienstag präsentiert. Und 75 Prozent der Aufsichtsräte beurteilen ihre eigene Diversität auch als sehr gut oder gut. Was der Vermutung Nahrung gibt, dass es bei einem nicht zu vernachlässigenden Teil der Aufsichtsräte wohl eine gröbere Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit geben dürfte. Denn eines sind Österreichs Aufsichtsräte definitiv nicht: divers.

Die Ergebnisse der Studie belegen das deutlich: 33 Prozent der Gremien können hierzulande überhaupt kein ausländisches Mitglied vorweisen. Gleich 47 Prozent kommen ganz ohne Frauen aus. Das durchschnittliche Alter der Aufsichtsratsmitglieder ist 59 Jahre, was wohl den Schluss zulässt, dass man in den Kontrollorganen lieber auf seniore Erfahrung und weniger auf Know-how der Generation zwischen 30 und 40 setzt.

Erfreulich ist allerdings ein anderes Ergebnis der Studie. Aufsichtsräte sind aktiver, als es das Gesetz von ihnen fordert. Im Durchschnitt treffen Aufsichtsräte zu 5,4 Sitzungen für eine Dauer von vier Stunden zusammen. Einige Gremien treffen sich gleich achtmal im Jahr, und zwar gleich für einen ganzen Arbeitstag. Das gehe, so die Autoren des Papiers, mit der Bedeutung einher, die Aufsichtsräte ihrer Aktivität zuschreiben. Auf die Frage, wie hoch sie ihre Arbeitsbelastung im Aufsichtsrat einstufen würden, antworteten viele: „sehr hoch“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2015)

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