Die schlafende Schönheit erwacht

Bad Gastein. Nach langer Stagnation wird wieder in Hotels und andere hochwertige Immobilien investiert.

(c) Claudia Lagler

Bergauf, bergab. Das kennen die Hoteliers im Gasteiner Tal nicht nur vom Skifahren. Man hat schon bessere Zeiten gesehen, damals, als in der „Belle Epoque“ am Anfang des 20. Jahrhunderts, alles durch Gastein flanierte, was Geld und Adel hatte. Aber jetzt – glaubt man Experten – ist die Talfahrt endgültig vorbei. Die Nächtigungszahlen und Investionssummen kennen nur noch die Richtung „aufwärts“, und das zieht die Nachfrage nach Wohnimmobilien mitsamt den Preisen nach oben – besonders im hochwertigen und exklusiven Segment.

Die Blüte des Kurorts vor 100 Jahren hat in Bad Gastein so manch prunkvolles Hotel hinterlassen, die touristische Talsohle so manch verfallene Hotelruine. Einen Grund für den Einbruch in den 80er- und 90er-Jahren nennt Martin Zeppezauer, Geschäftsführer der Gasteinertal Tourismus Gesellschaft: „Die Krankenversicherungen in Deutschland haben immer weniger Kuren ausbezahlt.“ Deshalb konnten viele Hotels nicht reinvestieren.


„Es war wirklich trostlos.“

Doch dort, wo noch vor kurzem der Wind durch die zerborstenen Scheiben pfiff, zieht neues Leben ein. „Bis vor einiger Zeit war es wirklich trostlos“ meint Alexander Kurz, Salzburger Immobilienmakler. „Viele der alten Hotels, die in Schwierigkeiten waren, sind wieder in Betrieb und haben neue Eigentümer“ erzählt Zeppezauer.

Der „Dornröschenschlaf“ sei vorbei, so die Einschätzung von Marlies Muhr, Maklerin aus Salzburg, nicht zuletzt dank einer Vielzahl in- und ausländischer Investoren. Zwar sind längst noch nicht alle alten Hotels wachgeküsst. Die Hotels am Straubingerplatz, genauso wie das Haus Austria, die der Wiener Investor Franz Duval schon vor fast zehn Jahren gekauft hat, dösen noch immer vor sich hin. Aber das sei „kein Problem mehr für Bad Gastein“, meint Bürgermeister Gerhard Steinbauer und fügt hinzu, dass Duval ohne Zweifel ein wichtiger Investor ist. Schon jetzt zählt man jährlich bis zu 1,2 Millionen Nächtigungen. Ein Schwerpunkt des Tourismus- Masterplans 2016 liegt auf der Erweiterung zur Ganzjahresdestination und auf dem Ausbau des Gesundheitstourismus.

Von den Hotelgästen wollen viele in Zukunft in ihren eigenen Betten liegen. „Die Gäste entscheiden im Urlaub, ob sie in eine Immobilie investieren wollen“, sagt Zeppezauer, dann ziehe ein Kauf den nächsten nach sich. „Wir bemerken, dass gerade viele Liegenschaftstransaktionen abgewickelt werden“, so Kurz, der noch mehr Potenzial sieht: Spätestens „wenn der Hotelbereich komplett revitalisiert und reaktiviert wurde, zieht der Immobilienbereich nach.“

Auch Muhr „spürt“ schon die steigende Nachfrage, insbesondere bei hochwertigen Immobilien. Schließlich hat Gastein seit jeher den Ruf einer „gehobenen“ Destination, wie auch Zeppezauer bestätigt: „37 Prozent der Hotelbetten sind aus der 4- und 5-Sternkategorie.“ Durch die verbesserte Verkehrsanbindung am Flughafen Salzburg ist Gastein besonders für Briten und Iren attraktiv geworden. „Allein bei britischen Touristen verbuchen wir bis zu 40 Prozent Steigerung“, schwärmt Zeppezauer. „Aber auch die Italiener haben Gastein für sich entdeckt“, meint Muhr.


Wachstum nicht um jeden Preis

Aus dem Osten kommen nicht nur immer mehr Hotelinvestitionen und Gäste, sondern auch immer mehr begehrliche Blicke auf das spärlich vorhandene Angebot an Grundstücken und hochwertigen Immobilien. Zwar ist gerade eine großzügige Anlage mit Luxus-Chalets im Entstehen. Doch ein zweites Kitzbühel wolle man nicht werden, sagt Bürgermeister Steinbauer: „Wir wollen zwar an alte Höhen anschließen, aber sicher nicht ohne Wenn und Aber.“ Das heißt: Wachstum ja, aber nur auf Bauland und nicht auf der grünen Wiese. Und die alten prächtigen Hotels der „Belle Epoque“? „Wenn jemand investieren und daraus hochwertige Apartmenthäuser machen will – warum nicht?“ sagt Steinbauer. Obwohl ihm Hotels lieber wären.

ZUR GESCHICHTE

Ende des 19. Jahrhunderts stand Bad Gastein in voller Blüte. Die bessere Gesellschaft kam regelmäßig, um im radonhaltigen Heilwasser zu baden und mondänes Flair zu atmen. Thomas Mann, der Zar von Russland und andere Prominentetrugen sich in die Gästebücher ein. Nach dem 2. Weltkrieg verbrachten immer mehr Kassenpatienten hier ihren Kuraufenthalt. Dazu setzte man auf den Wintertourismus als Einnahmequelle. Erst seit ein paar Jahren erlebt der Ort wieder von einen Investitionsschub.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2007)

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