Franchise: Strenge Regeln als Voraussetzung

Die Systeme sind hier weniger verbreitet als in den USA oder Deutschland.

(c) AP (David Zalubowski)

Für den amerikanischen Trendforscher Jeremy Rifkin ist es „der Kern des neuen Kapitalismus“, für seinen Kollegen John Naisbitt „ab 2010 die wichtigste Vertriebsform weltweit“. Die Rede ist vom Franchising, das sich laut Silvia Perl vom Österreichischen Franchise-Verband (ÖFV) hierzulande Mitte der 80er-Jahre durchsetzte und „mittlerweile vor allem in den Branchen Textil und Mode, in der Gastronomie sowie im Bereich Unterricht und Training etabliert hat.

Auch in der Immobilienbranche sind Franchise-Systeme international seit den 70er-Jahren gang und gäbe. Allein in Nordamerika wird ihre Anzahl auf über 100 geschätzt. In Europa zählen Frankreich, Spanien, England und Deutschland zu den Ländern mit hoher Franchise-Dichte.

In Österreich gibt es derzeit drei große Immobilien-Franchise-Unternehmen: die Dr. Max Huber DMH seit 1998, die US-amerikanischen Re/max seit 1999 und Era seit 2000. Die Maklernetzwerke heimischer Banken sind laut Experten im Wesentlichen als Filialsysteme einzustufen. Zwei ehemals präsente deutsche Franchiser sind in Österreich entweder nur mehr mit wenigen Büros vertreten (Engel & Völkers) oder haben sich gänzlich vom Markt zurückgezogen (Kulsa).


Anbindung an Internationale

„Es hat in Österreich relativ lange gedauert, bis der Begriff in der Branche richtig verstanden wurde. Die Systematik dieser komplexen Form der Expansion musste erst den Markt durchdringen. Dadurch brauchte das Wachstum auch länger als vermutet“, erklärt Max Huber den Unterschied zu anderen Ländern. Er rechnet aber damit, dass sich der Immobiliensektor des Franchising durch den generellen Aufschwung des heimischen Marktes in nächster Zeit stärker entwickeln wird. Welche Vorteile er sieht: „Durch das gemeinsame Auftreten am Markt entsteht ein Synergieeffekt, den Einzelne schon allein aufgrund des Finanzierungsproblems nicht erreichen können“, so Huber, der hauptsächlich in Österreich, aber auch im deutschsprachigen Raum und den Ländern der ehemaligen Donaumonarchie auf Expansionskurs gehen will.

„Das Interesse, vor allem auch eine internationale Anbindung zu haben, wird immer größer. Regionale, relativ lose Verbindungen von einzelnen Maklern funktionieren in der Regel nur bedingt, da mit fortwirkender Professionalisierung die Mitglieder die notwendigen vorgegebenen Regeln nur teilweise einhalten“, meint dazu Alois Reikersdorfer, Regional Director von Re/max Austria.

Franchisesysteme würden dann gute Resultate bringen, wenn strenge Regeln in puncto Ehrenkodex (Verhalten gegenüber Kunden und Kollegen), offizieller Finanzgebarung, entsprechender Ausbildung und Richtlinien vorhanden sind.

Der Nachteil eines Franchise-Netzwerks werde im Gegenzug offenkundig, wenn Kollegen ihre Geschäftspolitik nicht transparent machen und Richtlinien, die im Franchisesystem existieren, nicht annehmen wollen. Schließlich heißt es auch hier: mitgefangen, mitgehangen. Entsprechend genau wird die Auswahl der Partner genommen. „In anderen Franchisesystemen, auch international, wird sehr häufig die Tätigkeit des Immobilienvermittlers von Personen wahrgenommen, die daneben auch als Finanzdienstleister oder Versicherungsberater tätig sind. Das lehnen wir ab“, sagt Reikersdorfer.


Reaktion: Netzwerke

Die Branche reagiert zum Teil auf die Franchise-Systeme – und zwar mit der Bildung von Netzwerken, in die unabhängige Makler eingebunden werden. Der „Immobilienring“ etwa, gegründet im Sommer des Vorjahres, versteht sich auch als Antwort auf die Aktivitäten internationaler Franchise-Anbieter in Österreich. Um aufgenommen zu werden, müssen Makler auch hier Richtlinien erfüllen, die von Berufserfahrung bis hin zu einem fixen Bürostandort reichen.

LEXIKON.

Im Gegensatz zum Filialsystem sind Franchise-Nehmer als selbstständige Unternehmer tätig. Ein Franchise-Nehmer erwirbt gegen ein Entgelt vom Franchise-Geber etwa die regionale Nutzung eines Geschäftskonzepts und setzt dieses Konzept an seinem Standort eigenverantwortlich um.

Webtipps:
www.franchise.at
www.wikifranchise.de
www.worldfranchisecouncil.org
www.eff-franchise.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2008)

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