Max Wittrock: "Am Anfang ist eigentlich niemand gekommen"

Während einer Fahrt zum Badesee ist Max Wittrock die Idee gekommen, den Müslimarkt aufzumischen. Inzwischen hat Mymuesli 340 Mitarbeiter und betreibt 15 Läden in Deutschland und Österreich.

(c) APA

Wieso gerade Müsli?

Max Wittrock: Müsli ist natürlich kein Geschäftsmodell, wo Google zwei Tage später anklopft und das Unternehmen für eine Milliarde kauft. Wir waren auf der Fahrt zu einem Badesee und während dieser Fahrt ist uns eingefallen, dass das Produkt Müsli seit Jahrzehnten nicht weiterentwickelt worden ist. Am Abend stand dann die Unternehmensidee und zwei Jahre später, 2007, sind wir mit unserer Homepage online gegangen.

 

Wie gut ist das Geschäft gelaufen?

Am Anfang ist eigentlich niemand gekommen. Wir mussten erst lernen, wie das Geschäft funktioniert. Im Jahr 2012 haben wir dann beschlossen, mehr Läden aufzumachen, und jetzt läuft es.

Wie groß ist das Team von Mymuesli?

Aktuell sind es 340 Leute. Wir haben 15 Läden. Liefern können wir in fünf Länder und wir haben drei Niederlassungen – eine ganz kleine Produktion davon in der Schweiz.

 

Wieso gerade in der Schweiz?

Erklären Sie dem Schweizer Zoll einmal, dass man ungefähr 566 Billiarden unterschiedliche Müslivariationen verzollen muss – eigentlich jede einzeln. Viel Spaß dabei. Deswegen haben wir dort gleich eine eigene Produktion aufgebaut.

 

Womit verdienen Sie am meisten Geld?

Natürlich mit Müsli. Aber man kann das nicht so genau sagen. In unserer ganzen Zeit ist nur 42-mal dasselbe Müsli bestellt worden. Jeder Kunde mixt das Müsli nach seinen eigenen Vorlieben. Aber es gibt natürlich auch bei uns Bestseller. Klassiker wie ein Blaubeeren-Müsli verkaufen sich immer gut, und das Wien-Müsli funktioniert auch super.

 

Was ist ein Wien-Müsli?

Das ist ein Müsli, das man nur in Wien kaufen kann. In jeder Stadt wird in unseren Läden ein Städte-Müsli mit passender Verpackung angeboten. Das ist natürlich hauptsächlich für Touristen.

 

Wie viele Stunden haben Sie am Anfang gearbeitet?

Immer, wenn ich wach war, habe ich eigentlich gearbeitet. Natürlich sind die Arbeitsstunden nicht zählbar. Einer von uns Gründern, Hubertus, hatte am meisten Pech. Der war früher mit dem Studium fertig und musste dann Tag und Nacht an der Website arbeiten. Eines ist klar: Wer reich werden will, darf kein Müsli-Start-up gründen.

 

Wie viele schlaflose Nächte waren dabei?

Viele. Wir haben am Anfang ja alles selbst gemacht, sogar das Müsli selbst gemischt. Da blieb nicht viel Zeit für etwas Anderes.

Was hätten Sie gemacht, wenn Ihre Idee nicht funktioniert hätte?

Ich war davor Journalist beim Fernsehen. Mein Chef dort hat immer gesagt, dass ich spinne. Wenn Müsli nicht geklappt hätte, hätten wir schon noch ein paar andere Ideen ausprobiert.

 

Ist Ihr Müsli eigentlich mehr Lifestyleprodukt als Lebensmittel?

Wir sind glücklich, wenn wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Bio-Produkte müssen ja heutzutage nicht mehr hässlich sein. Wenn ich ein gesundes Produkt anbiete, das gleichzeitig Lifestyle ist, dann ist das doch toll.

 

Was war bisher Ihr größtes Missgeschick?

Wir hatten nie diese große Katastrophe, sondern eher kleine Missgeschicke. Ein Problem ist natürlich immer die Logistik. Wir kaufen viel von kleineren Erzeugern, und da ist oft etwas nicht lieferbar. Da muss dann im Notfall schon einmal die ganze Nacht durchgearbeitet werden.

 

Was sagen Sie einem Kunden, wenn er wegen einem Lieferausfall sein Lieblingsmüsli nicht bekommt?

Wir kommunizieren sehr offen mit den Kunden. Wir hatten von Anfang an eine Art Kundenbonus – die waren oft bereit, auch mal eine Woche auf ihr Produkt zu warten. Ein klassisches Gründerproblem: Am Anfang glaubt man, man kann alles besser als die anderen. Mit der Zeit kommt man drauf, dass man eigentlich nichts besser kann.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2014)

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