Stilfigur: „Upcycling“

Design oberflächlich? Geh, bitte. Nie. Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung impfen die Gestalter den Dingen doch liebend gern ein.

(c) Beigestellt

Doch noch lieber haben sie die Content-Darreichungsform des fröhlichen „Umhängens“. Von Etiketten etwa. „Upcycling“ ist so ein Label, das schon fast an allem baumelt, was von einer Dingwelt in die andere gegangen ist. Einen Daseinssprung in neuen Kontext quasi. Von der lauten Rockbühne ins stille Wohnzimmer etwa. Ein Mikrofonständer kann auch andere Dinge halten als bloß Mikrofone, erkannte Designerin Regina Blauensteiner. Leuchtmittel wie Retro-Glühbirnen etwa. Die Konsequenz daraus: „Micro Bulb“ kann, was Mikrofonständer können – sich neigen, sich strecken – plus: leuchten (reblau.com). Und schon hat sich das Ding ungewollt das Etikett „Upcycling“ in diversen Designblogs im Internet eingetreten. Als würde es irgendetwas „aufwerten“ oder „aufnutzen“, was die Gesellschaft sonst auf Müllbergen übrig lassen würde. Doch an Mikrofonständern wird der Planet nicht zugrunde gehen. Diese Prognose darf man wagen. Upcycling sollte ja das Leben der Dinge verlängern. Stattdessen verkürzt es meist die Lebensdauer, vor allem die ästhetische. Denn eines lässt sich nicht wiederverwerten: der gestalterische Gag. Man sitzt lustig in Badewannen und Mülltonnen herum und nascht aus alten Vinylplatten. Bruhaha. Wie ein Großmeister des Werbetextens schon meinte: Widerstehe dem Drang zu Wortspielen. Außer sie dienen der Sache.

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