Stilfigur: Luftraum erobern

Das klingt nach Kriegsrhetorik, ist aber eine harmlose Gestaltungsaufgabe.

(c) Beigestellt

Denn auf dem Boden drängeln sich zu viele Dinge. Und dazwischen die Füße derer, die die Dinge, über die sie jetzt stolpern, irgendwann dort hingestellt haben. Der Schweizer Designer Alfredo Häberli hängt nicht nur alle möglichen Alltagsobjekte in seinem Studio an die Wand, sondern auch ein Ruderboot von der Decke. Lasst uns doch hängen! Nicht nur die Gitarren, Bilder und Pinnwände an die Wand. Und lasst sie baumeln, die Dinge! Nicht nur die Leuchten von den Decke. Aber vor allem: Gebt uns mehr Haken! Im Hotelzimmer. An Klotüren, aber bitte innen. Überall dort, wo man direkten Bodenkontakt nur den Schuhsohlen überlassen will.

In den tropischen Ländern, in denen traditionell die meisten Hängematten hängen, südwärts von der Karibik dem Kontinent entlang, kann man sich in vielen Hotels einen einzigen Nagel sehnlicher wünschen als einen einzigen Windstoß. Zuhause wirken die Wünsche gleich wieder verwegener: Schön sollen sie dann womöglich sein, die Bügel, Knöpfe, Ringe, Schlaufen und Riemen, die Schal, Hut und Jacke schultern müssen. Dabei haben sie die undankbarste Aufgabe: KWerden sie benutzt, dann gehen sie unter. Ja, die schwierigste Entscheidung bei der letzten Wohnungsadaption waren die Garderobenhaken. Um jetzt zu wissen: Es war egal. Wir hätten uns einfach schönere Jacken kaufen sollen.

 

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