Stilfigur: Farbvereinnahmung

Deutsch ist die Lieblingssprache von allen, die’s genau wissen wollen.

(c) Michaela Bruckberger

Philosophen zum Beispiel. Oder Menschen, die farbig sehen können. Dafür hat die Grammatik den tollen Sprachjoker installiert: das Kompositum, um das uns alle anderen Sprachen beneiden. In diesen zusammengesetzten Wörtern, notfalls auch mit Bindestrich, hält man es hinten ganz allgemein (Determinatum) und vorn tut man ganz auf speziell (Determinans). Hilfreich vor allem, wenn man Farben sprachlich definieren möchte, nicht mit Ziffern und mysteriösen Buchstaben wie RAL. Gelb wird zu Senfgelb. Und auf Wunsch zu Löwensenfgelb. Aber das wäre ja schon „ge­brandet“. Also klarer Fall von Farbvereinnahmung durch kommerzielle Interessen. Dem Museumsquartier in Wien wär’s egal.

Die tünchen ihre Hofmöbel in diesem Jahr in twinnigrün. Nur aus Retro-und-so-Gründen, wie man dort sagt. Im inzwischen längst institutionalisierten, jährlichen öffentlichen Farbvoting stand auch Sportgummirot zur Wahl. Das MQ hat einfach den Determinans an einen Weltkonzern (Unilever) „verkauft“. Natürlich nur unter Anführungszeichen, weil: Geld ist ja keines geflossen. Aber man kann sich ja auch verkaufen, ohne dass man Geld dafür bekommt, wie man weiß. Für die Möbel, die früher Enzis, später Enzos und jetzt einfach MQ-Möbel heißen, will das MQ dann doch Geld. Denn die kann man kaufen. Am MQ Point. Auch in Azzurro, Verde oder Marron.

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