Stilfigur: Kraft des Wortes

Wörter sind nun mal vorwiegend körperlos.

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Die Buchstaben geben ihnen Form, die Rhetoriker Wirkung, die Letterpress-Maschinen den haptischen Nachdruck. Designlabels fräsen aus Holz dreidimensionale Lieblingswörter wie „Sonnenschein“ und „Papperlapapp“. Früher wurden Wörter noch in Stein gemeißelt. Heute verschwinden sie, wenn der Akku leer ist. Den Wörtern neues Gewicht verleihen, das haben sich auch Gestalter vorgenommen. Nicht nur jene, die Wörter sammeln, ordnen, arrangieren und in japanischer Fadenheftung zusammenfassen. Oder jene, die Visitenkarten produzieren, auf denen man einschlafen möchte, weil sie so weich sind. Und gleichzeitig so dick wie Rigipsplatten, die unseren Lebensraum umzingeln.

Da sind noch die Architekten, die dem Körperlosen ganze Baukörper widmen. Orte, die erstaunen, Orte, an denen sich das Ganz-klein-Fühlen ausnahmsweise ganz groß anfühlt. Der alte Lesesaal der Nationalbibliothek in Wien ist so ein Raum. Zu den schönsten Machtdemonstrationen der Architektur geraten eben immer wieder jene, die die Kraft des Wortes beschwören. Das niederländische Büro MRVDV hat das Spektakulär-Zeichenhafte längst in seinem Gestaltungsvokabular. Und chinesische Stadtverwaltungen lassen budgetär noch zu, Größe auch durch Größe auszudrücken. Die Bibliothek in Tianjin (Bild), kürzlich eröffnet, ist so ein Beispiel. Dass Architektur mehr sagt. Als nur Worte.

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