Stilfigur: Holz mit Seele

Stuben am Arlberg, Clarksdale, Mississippi.

"Baron Hannes Schneider"
"Baron Hannes Schneider"
"Baron Hannes Schneider" – Beigestellt

Hier wie dort: Geister und Häuser. Das eine will man bewahren, das andere nicht unbedingt. In Stuben am Arlberg ist vor ein paar Jahren auch so ein Haus verschwunden. Circa 1610 war es gebaut worden. Und 280 Jahre später wurde der größte Sohn des Ortes dort geboren: Hannes Schneider. Er war ein Pionier des alpinen Skilaufs. Gemeinsam mit Leni Riefenstahl spielte er in "Der weiße Rausch". Mit den Nazis wollte er sich nicht arrangieren, 1939 emigrierte er nach Amerika. Inzwischen behauptet ja ein Luxus-Chalet, sein Geburtshaus zu sein, das "House Hannes Schneider". Stimmt aber nicht. Deswegen hat sich Schneiders Geist auch eine andere Bleibe gesucht. Eine Gitarre.

Gebaut aus dem Abbruchholz dieses wunderschönen alten Bauernhauses. Ein Gutachten sagt: Die Dielenhölzer wurden 1591 geschlagen. Aus Fichten, die damals schon über 130 Jahre alt waren. Da kann man sich als Geist schon wohlfühlen zwischen so viel Vergangenheit. Vor allem, wenn sie noch dazu so schön klingt wie die "Baron Hannes Schneider" (siehe Bild), konstruiert vom Gitarrenbauer Nick Page, der zufällig in Bregenz wohnt. Clarksdale, Mississippi, hat auch ein paar Söhne, John Lee Hooker etwa. Oder Ike Turner. Adoptiert hat man quasi den Bluesmusiker Muddy Waters, der in einer Hütte etwas außerhalb lebte. Als man sie demolierte, holte sich Billy Gibbons von der Band ZZ Top ein paar Bretter. Um auch ein bisschen Geist zu beschwören, jenen des Blues: Er ließ daraus eine Gitarre bauen, die "Muddywood". Sie hängt heute vor Ort: im Delta Blues Museum.

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