Frösche, Vögel und Fledermäuse: Ein bisschen Wildnis sollte schon sein

Nachtblüher für Fledermäuse, Kleinbiotope für Amphibien, Wildwuchs für Bienen, Laubhaufen für Igel und eine voluminöse Hecke für Singvögel. Es ist nicht besonders aufwendig oder kompliziert, seinen Garten ökologisch stimmig zu gestalten.

Tagpfauenauge auf Stiefmütterchen
Tagpfauenauge auf Stiefmütterchen
Tagpfauenauge auf Stiefmütterchen – APA

Was jeder in seinem eigenen Garten für die unterschiedlichen größeren und kleinen Gartenbewohner tun kann, ist wirklich nicht von großem Aufwand. Laub- und Reisighaufen liegen lassen, eine kleine Wiese anlegen, Obstbäume pflanzen, Wasserstellen oder gleich ein Biotop anlegen, auf jeden Fall auch an nachtaktive Tiere denken und die entsprechenden Pflanzen gedeihen lassen.

Hornissen. Irgendwann kam das Ammenmärchen von der mörderisch gefährlichen Hornisse auf. Sieben Stiche töten ein Pferd, drei Stiche einen Menschen. Das ist Schwachsinn. Ein Hornissenstich ist zwar durchaus schmerzhaft, tatsächlich jedoch ungefährlicher als der einer Honigbiene. Außerdem stechen Hornissen nur dann, wenn man sie attackiert oder wenn man sich zu nahe an ihr Nest wagt. Wenn eines dieser Prachttiere in Ihrer Nähe auftaucht, bewahren Sie also Ruhe. Die Hornisse ist wahrscheinlich auf der Jagd nach Insekten oder auf der Suche nach Baumsäften. In der Steiermark und in Oberösterreich stehen die selten gewordenen Insekten bereits auf der Roten Liste.

Bienen. Wer an Bienen denkt, sieht unweigerlich die in Stöcken lebende Honigbiene vor sich. Um sie kümmern sich dankenswerterweise die Imker. Doch was ist mit den Wildbienen? Es gibt allein in Österreich etwa 700 Wildbienenarten, von der Seidenbiene über die Pelz- und Langhornbiene bis zur Kuckuckshummel. Apropos: Hummeln zählen ebenfalls zu den Bienen, und im Gegensatz zur Mehrheit der Wildbienen leben auch sie in Völkern von bis zu 600 Tieren. Plus Königin, versteht sich. Die meisten Wildbienen sind jedoch Einzelgängerinnen. Sie ernähren sich von Pollen und Nektar heimischer Pflanzen und nisten in hohlen Pflanzenstängeln, in Altholz oder in trockenen, sandigen Böden. An heißen Sommertagen kommen sie gern zu geeigneten flachen Tränken. Um sie in den Garten zu locken, braucht es also ein bisschen Wildwuchs, der nicht sofort abgeschnitten wird, und eine Strauch-, Baum-, Blumenbepflanzung, die von Frühjahr bis Herbst Nahrung bereitstellt.

Singvögel. Was die kleinen Sänger anzieht, sind dichte Hecken, in denen sie geschützt nisten und an denen sie vielfältig das gesamte Jahr über naschen können. Eine ordentliche, voluminöse Hecke ist das Vogelparadies schlechthin. Von Schneeball, Schlehe, Weißdornfrüchten und dergleichen mehr ernähren sie sich genauso wie von den dort krabbelnden Tieren wie Spinnen, Kerbtieren, Läusen, Raupen und vielen anderen mehr. Das gilt vor allem für die Wintermonate, denn manch seltener Vogel wie der Neuntöter und das Blaukehlchen kommt niemals an ein Futterhaus. Eine kleine Wasserstelle wird dankbar als Tränke und Bad angenommen und sollte, ebenso wie Nistkästen in keinem Garten fehlen.

Fledermaus. Etwa 28 Fledermausarten sind hierzulande heimisch, sie stellen jeweils unterschiedliche Ansprüche an ihr Quartier, doch alle sind gefährdet, und alle ernähren sich von Insekten und Spinnentieren. Deshalb hat es Sinn, den Nachtgarten gleich mitzudenken, wenn Blumen gepflanzt werden. Nachtblühende Blütenpflanzen locken Insekten an, wie etwa Nachtviole, Geißblatt, Engelstrompete, Nachtkerze, Tabak und dergleichen mehr. Insektenmagnete sind auch Teiche. Solchermaßen ausgestattete Gärten werden demzufolge gern von Fledermäusen überflogen. Wer Winterquartiere zur Verfügung stellen will, erkundigt sich am besten unter www.fledermausschutz.at, wie man Fledermauskästen baut und wie sie idealerweise angebracht werden, denn die scheuen Tiere sind auch hier eher wählerisch.

Schmetterlinge. Der Rückgang der Schmetterlingspopulationen ist besonders schmerzlich, doch auch dagegen kann angegangen werden. Setzen Sie vorzugsweise heimische Blütenstauden und Obstbäume. Denken Sie daran, dass der Schmetterling als Raupe auf die Welt kommt, und setzen Sie auch gezielt Raupenfutterpflanzen, etwa Fenchel für den Schwalbenschwanz. Schneiden Sie, einmal mehr, Ihre Thujenhecke um und ersetzen Sie sie durch blühende Sträucher. Lassen Sie ein paar Quadratmeter Blumenwiese stehen. Räumen Sie den Garten im Herbst nicht leer, viele Insekten überwintern in den trockenen Pflanzenteilen, so auch zahlreiche Schmetterlingspuppen. Gönnen Sie den Insekten ein paar verwilderte Quadratmeter Garten. Vermeiden Sie zu viel und nach oben strahlende Beleuchtung.

Igel. Der Igel ist ein feiner Mitbewohner für uns Gartenmenschen, denn abgesehen davon, dass er ein freundlicher Geselle ist, vertilgt der Einzelgänger gern Schnecken. Wenn das kein Grund ist, ihm zu huldigen. Da man zwischenzeitlich weiß, dass er auch Rattenköder frisst, werden diese so gut wie immer in für ihn unzugänglichen Boxen serviert. Was ihn jedoch ebenfalls in Gefahr bringt, ist Schneckenkorn. Unbedingt auf Alternativen umsatteln und spätestens ab November, besser früher, Laub- und Reisighaufen in Ruhe lassen, denn dort bezieht er in dieser Zeit sein Winterquartier.

Amphibien (Frosch). Nicht nur Pestizideinsatz und die Zerstörung ihrer Lebensräume machen Amphibien das Leben schwer, sondern auch die Zerstückelung der Landschaft durch Straßen und Siedlungen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.03.2019)

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