Markt-Reife

Die armen Kinder. Überall müssen sie hineinwachsen. In die Schuhe der großen Geschwister, in die Stadt, die nicht für Kinder gemacht ist. Und in die Christkindlmärkte.

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Die armen Kinder. Überall müssen sie hineinwachsen. In die Schuhe der großen Geschwister, in die Stadt, die nicht für Kinder gemacht ist. Und in die Christkindlmärkte. Die Antwort der Gestaltung auf die Groß-klein-Diskrepanz ist einfach: Man entscheidet sich für die eine Seite. Und die Entscheider, das überrascht wenig, entscheiden sich für sich selbst. Das heißt: Machen wir alles groß und unerreichbar. Wir waren ja selbst lang genug klein. Deshalb müssen sich die Kinder mit allen möglichen Prothesen und Hilfsmitteln hinaufschrauben auf das Niveau der Welt, wenn sie nicht erst aufs Klo gehen und am Tisch sitzen wollen, wenn sie 14 sind. Dafür wurden die Adapter erfunden. Klositz, Hochsitz und Konsorten. Oder Kinder lassen sich erzählen, wie es denn da oben ist. Und am Christlkindlmarkt? Da ist nichts auf Augenhöhe jener Augen, die am meisten glänzen sollten. Oben: Da spiegelt sich die Stimmung auf punschverklebten Stehtischen. Unten: ist es an trüben Tagen noch trüber und dunkler. So wie das Winterg’wand der Erwachsenen. Alles, was funkelt, leuchtet, duftet, glänzt, fängt dort an, wo der Kinderkopf schon zu Ende ist. Da helfen nur Aufstiegshilfen wie elterliche Schultern. Weihnachten, als Fest wie gemacht für Kinder, fängt außerhalb der Sicht- und Griffweite der Kinder an. Im Kindertheater trennt man Groß und Klein zumindest voneinander, die Großen sitzen am Rand und hinten. Der Christlkindlmarkt dagegen ist ein großer Topf, in den alles muss: vor allem viel Zucker in verschiedenen Aggregatzuständen und all die Menschen mit ­glasigen statt glänzenden Augen.

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