Testessen: Bruder im ehemaligen G'schupften Ferdl

Das bunte Bruderversum zweier Vollprofis mit Hipstergefolgschaft.

(c) die Presse (Carolina Frank)

Das Bauarbeiterdasein hatten die beiden zwischenzeitlich schon perfektioniert: Den G’schupften Ferdl im Raimundhof im sechsten Wiener Bezirk haben ­Barkeeper Hubert Peter und Koch Lucas Steindorfer mit eigenem und einigem Familien-Freundeskreis-Schweiß zu ihrem Lokal Bruder umgebaut. Die zwei kennen sich aus den Zeiten der Marktwirtschaft in der Siebensterngasse, die sich nicht lange halten konnte – Steindorfer erkochte dem Lokal Liebe dort eine Haube, Peter mixte in der Bar Barrikade. Im Rien dann, dem leider nur als Interimsprojekt gedachten Neo-Kaffeehaus am Michaelerplatz, waren ebenfalls beide anzutreffen. Dort sollten die Pläne für ein eigenes Lokal gären.

(c) die Presse (Carolina Frank)

Um Gärung geht es nun auch im Bruder, wie man gleich beim Eingang nicht umhin kommt zu bemerken: Von hinten beleuchtet, reihen sich da zahlreiche Einmach­gläser und Glasballons aneinander. Hubert Peter, der schon als Sommelier im Die Au im Augarten jedes noch so schräge Getränk mit bubenhaftem Vorarlberger Charme verkaufen konnte, scheint keine Idee zu abwegig, kein Aufwand zu groß. Das Menü „Fünf plus fünf" ist wohl der beste Einstieg in dieses Bruderversum zweier Vollprofis mit Hipstergefolgschaft: 75 Euro für je fünf Gänge aus Küche und Bar. Etwa ein Drink mit – unter anderem – Himbeerkombucha und Räucherpaprikalikör in einer Paprikaschote mit Strohhalm. Zum fantastischen fleischlosen Schwammerlbeuschl von Lucas Steindorfer serviert Hubert Peter eine gelbe Bloody Mary mit Mandarinenlikör und fermentierter Champignonsauce in einem Vintagelikörglas. So irrwitzig, dass die Kategorien gut oder schlecht Galaxien entfernt scheinen. Und gut ist’s, nach dem Motto: Man muss das nicht alles noch einmal haben, aber man ist dankbar, es probiert zu haben.

Wer nicht gleich ein ganzes Menü bestellen will, kann auch à la carte essen (6,50 bis 18,50 Euro) und trinken. Die Jausen, etwa „Sei nicht sauer" mit fermentiertem Gemüse, Brot und Frischkäse (7,5 Euro), sind erstaunlich (eher: enttäuschend) handzahm. Was Lucas Steindorfer sonst noch aus der kleinen offenen Küche im Hinterzimmer schickt oder bringt: aromadichte, vernünftige Gerichte wie eine geschmorte Karotte auf Sterz, als Reminiszenz an die Vorlieben der Kärntner Oma bei Tisch mit Kaffee beraspelt, ein Lammragout mit Nockerln oder ein famoses Schneckengulasch mit Salzgurkenwürfeln, das Spuren der Christian-Petz-Schule freilegt. Dieser kocht übrigens demnächst wieder: ab 12. Februar im Dstrikt im Ritz.

Info

Bruder, Windmühlgasse 20, 1060 Wien, 0664/1351320.

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