Amanshausers Album: Grausam

43 - Pebbles, das niedliche Zwerghamsterchen, war ein Therapietier. Musste die Besitzerin es töten?

Wieso Igel, Schweine, Eichhörnchen, Schafe, ein Zwergpony oder Pfauen auf Flügen mitgenommen werden dürfen, Zwerghamster aber nicht, erschließt sich nicht wirklich.
Wieso Igel, Schweine, Eichhörnchen, Schafe, ein Zwergpony oder Pfauen auf Flügen mitgenommen werden dürfen, Zwerghamster aber nicht, erschließt sich nicht wirklich.
Wieso Igel, Schweine, Eichhörnchen, Schafe, ein Zwergpony oder Pfauen auf Flügen mitgenommen werden dürfen, Zwerghamster aber nicht, erschließt sich nicht wirklich. – (c) APA/AFP/GETTY IMAGES/JOE RAEDLE

Die Studentin Belen Aldecosea wollte von Baltimore nach Florida fliegen. Wie immer sollte ihr Zwerghamster ­Pebbles dabei sein. Schließlich war er kein gewöhnliches Tier, sondern ein Therapietier oder im US-Sprech ein „emotional support animal“. Die 21-Jährige hatte zu Studienbeginn einen golfballgroßen Knoten in ihrem Hals ertastet. Zur Zeit der Untersuchungen kaufte sie Pebbles zur moralischen Unterstützung. Am Ende stellte sich heraus, dass das Gewächs gutartig war. Das Therapietier unterstützte sie in diesen Wirren.

Auf dem Schoß mitfliegen. Belen hatte sich, da Hamster nicht in den Gepäckraum dürfen, im Vorfeld zweimal bei ­Spirit Airlines erkundigt, ob Pebbles im Kleinkäfig auf dem Schoß mitfliegen könne. Kein Problem, hieß es. Am Flughafen sah das aber anders aus. Sie teilten ihr mit, dass Pebbles keinesfalls an Bord dürfe. Wolle sie fliegen – aufgrund des OP-Termins für ihren Knoten musste sie  – müsse sie das allein tun. Die Zeitung „Miami Herald“ merkte lapidar an: „Zwerghamster sind so groß wie ein Handy. Und wiegen halb so viel.“

Für einen Leihwagen war Belen zu jung. Und in Baltimore kannte sie niemanden. So begriff sie, dass sie von ihrem Liebling Abschied nehmen musste. Sie wollte Pebbles nicht einfach vor dem Flughafen aussetzen. Eine Mitarbeiterin der Fluglinie – Spirit streitet das freilich ab – riet ihr, das Tier im Klo hinunterzuspülen. Das kam Belen in ihrer Zwangslage „am menschlichsten“ vor. Unter Tränen tat sie es.

Nun klagt – da man in den USA immer gern klagt – die Studentin die Airline. Eine Regelung erlaubt Therapietiere auf Flügen. Nur haben Leute das übertrieben, Igel, Schweine, Eichhörnchen, Schafe, ein Mini-Pony und ein Pfau wurden schon an Bord gesichtet.

Ich selbst tötete als Kind meine Lieblingstanzmaus, die an einer Zitterkrankheit litt, deren Letalität gewiss war. Ich legte Bianca in einen Joghurtbecher. Heulend schleuderte ich sie auf den Steinboden. Den viel ärgeren Zwiespalt der Belen Aldecosea kann ich gut nachfühlen. Nur: dieses Im-Klo-Runterspülen … Ich meine, wer immer die Idee hatte ... Darauf musst du erst kommen.

www.amanshauser.at

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