Herzzerreißend

61 - Faszination und Schrecken des Feuers – neuer Brand in der Mackintosh-Kunsthochschule.

Firefighters attend to a blaze at the Mackintosh Building at the Glasgow School of Art, which is the second time in four years, Glasgow, Scotland, Britain
Firefighters attend to a blaze at the Mackintosh Building at the Glasgow School of Art, which is the second time in four years, Glasgow, Scotland, Britain
Am 16. Juni brach zum zweiten Mal binnen vier Jahren ein vernichtendes Feuer in der Glasgower Mackintosh-Kunsthochschule aus. – (c) REUTERS (RUSSELL CHEYNE)

Was Katastrophen betrifft, so beeindrucken mich Brände am stärksten. Es mag daran liegen, dass ich als Baby zum nächtlichen Großbrand des Petersbrunnhofs (Stadt Salzburg) mitgenommen wurde. Meine Angst vor Flammen war später beträchtlich, zum Beispiel geriet ich in Panik, wenn mein Cousin neben mir auf dem Zweier-Sessellift ein Zündholz anbrannte. Als Kindergartenkind fürchtete ich, das Feuerchen am Hügel gegenüber könne unser Haus vernichten.

In der Pubertät beobachtete ich mit mulmigem Gefühl Hubschrauber, die aus dem Ligurischen Meer Wasser zur Löschung der Waldbrände aufnahmen, die am Horizont flackerten; meinen Zivildienst leistete ich selbstverständlich beim Landesfeuerwehrkommando ab; meine erste Wohnung war 1989 in der Rua Garrett, Lissabon. Nach einer Übernachtung bei Freunden sah ich nach dem Aufwachen im TV einen Großbrand mit der eingeblendeten Zeile „Rua Garrett“, der als das berühmte Feuer im Stadtviertel Chiado bekannt werden sollte. Ich öffnete die Fenster. Hubschrauber ratterten, Sirenen heulten, ein Rauchpilz erhob sich. In der Baixa gingen die Zeitungen weg wie frische Pastéis de Nata. Alle Zugangswege zu meiner Wohnung waren gesperrt.

Feuer begleitet mein Leben. Deshalb war ich 2017 in Glasgow bei der Führung durch die Mackintosh-Kunsthochschule sehr aufmerksam. Diese „Glasgow School of Art“, ein Sandsteingebäude nach Plänen der Jugendstilikone Charles Rennie Mackintosh (1868–1928), war 2014 einem Großbrand zum Opfer gefallen, nachdem ein defekter Projektor eine Installation in Flammen gesetzt hatte.

Man zeigte uns, wie das Gebäude für viele Millionen Pfund in meisterhafter Detailarbeit saniert wurde – nur um jetzt, knapp vor der Wiedereröffnung, erneut einem noch vernichtenderen Brand zum Opfer zu fallen. Selbst rauesten Glaswegians, den Bewohnern dieser hartgesottenen Stadt, fehlten die Worte. Schottlands Erste Ministerin Nicola Sturgeon, nicht die Butterweichste, sprach von einer Situation, die ihr „das Herz bricht“. Nun wird ermittelt, wie das berühmteste Gebäude Schottlands zum zweiten Mal niederbrennen konnte.

www.amanshauser.at

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