Amanshausers Album: Mohammed-Babyzählung

Weltweit ist Mohammed der verbreitetste Vorname, oft als Zweitname. Ein Grund für Angst?

Vornamen. Mohammed gehört zu den verbreitetsten Bubennamen in Berlin. Gilt aber vermutlich auch für Lukas, wenn man alle seine Varianten hinzuzählt.
Vornamen. Mohammed gehört zu den verbreitetsten Bubennamen in Berlin. Gilt aber vermutlich auch für Lukas, wenn man alle seine Varianten hinzuzählt.
Vornamen. Mohammed gehört zu den verbreitetsten Bubennamen in Berlin. Gilt aber vermutlich auch für Lukas, wenn man alle seine Varianten hinzuzählt. – (c) fotokostic/Getty Images

Wo ich hinkomme, achte ich auf Vornamen. Heutzutage gibt es deutlich mehr als früher. Einst waren im deutschsprachigen Raum männliche Vornamensgenerationen klar definiert: 1890 Karl, 1900 Wilhelm, 1910–20 Hans, 1930 Günther, 1940–50 Peter, 1960 Thomas, 1970 Stefan, 1980 Christian. Doch in der Jahrtausendwechsel-Epoche (1990 führte Jan, 2000 Lukas, 2010 Ben) sehen wir uns einem gut verzehnfachten, globalisierten Namenspool gegenüber. Ich persönlich merke mir Namen leichter als Gesichter, mir kommt wachsende Namensvielfalt entgegen.

Mich irritierte daher – aus pragmatischen Gründen –, als ich neulich las, „Mohammed" sei der beliebteste Baby-Vorname in Berlin. (In Gesamtdeutschland liegt er übrigens auf Platz 24.) Muslimische Eltern haben ja wenig Spielraum. Von den gut 800 Millionen männlichen Muslimen heißen über 150 Millionen Mohammed – somit der weltweit beliebteste Name. Doch die Spitze der Berliner Hitparade erreichte Mohammed, dort 52 Mal als Erst- oder Rufname vergeben, mit 280 Nennungen nur durch die Zweitnamensgebung. Bei den Erstnamen lag weiterhin „Emil" (238) in Führung. Erwähnen sollten wir zudem, dass Mohammed inklusive aller Varianten (Mahomet, Ahmad, Mahmud, Hamid, Mehmet) gerechnet wurde – und „Lukas, Lucas, Luka und Luca" zusammengefasst über 400 Nennungen erreichen würde.

Boulevardmedien und AfD-Politiker schlachteten die Berliner Geburtskliniken-Eilmeldung trotzdem als „Ali verdrängt Karli" aus, um hartnäckig die statistisch widerlegte Verschwörungstheorie des „Bevölkerungsaustauschs" zu füttern. Zur Eruierung des muslimischen Anteils an der Gesamtbevölkerung tragen Babyhorrormeldungen jedenfalls wenig bei. Was Religionszugehörigkeit betrifft, so gibt es frei zugängliche und valide Daten. Eine Mohammed-Babyzählung ist ein denkbar vager Indikator für eine „schleichende", gezielt von jenen suggerierte Islamisierung, die mit selbigem Häuslschmäh ihr Ansaugen an der Macht betreiben. Angesichts dieser Fakten steh ich den kleinen (meist Zweitnamen-)Mohammeds, ob in Berlin oder sonstwo, weiterhin mit gelassener Sympathie gegenüber.

www.amanshauser.at

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