Amanshausers Album: Magnetisch

Alternative zu Flugreisen: China will Magnetschwebebahnen mit 1000 km/h entwickeln.

Geht es nach den chinesischen Eisenbahnern, werden die 425 km/h des Maglev bald nicht mehr so rasant sein. Tempotechnisch scheint nach oben hin viel Luft.
Geht es nach den chinesischen Eisenbahnern, werden die 425 km/h des Maglev bald nicht mehr so rasant sein. Tempotechnisch scheint nach oben hin viel Luft.
Geht es nach den chinesischen Eisenbahnern, werden die 425 km/h des Maglev bald nicht mehr so rasant sein. Tempotechnisch scheint nach oben hin viel Luft. – (c) Getty Images/iStockphoto (zyxeos30)

Immer, wenn ich mit dem Maglev-Zug (Magnetic Levitation, Magnetschwebetechnik) gefahren bin – dem chinesischen Transrapid vom Flughafen Shanghai ins Zentrum –, war ich von der Technik ebenso fasziniert wie von der Geschwindigkeitsanzeige, die langsam, aber sicher die 425 km/h erreichte. Das Seltsame war, dass die Landschaft vor dem Fenster gar nicht so arg „vor-beiflog".

Natürlich hat man im Maglev den Eindruck, dass es ein bisschen schneller geht. Doch er liegt derartig ruhig auf den Luftpolstern, dass das Gehirn die rasende Vorwärtsbewegung, die es aus Autos oder Zügen in Verbindung mit einer Mixtur aus Druck und Wackeln kennt, nicht als solche wahrnimmt. Das Bedrohliche, weil Fremdartige, liegt darin, dass sich die Garnitur bei diesem Hochgeschwindigkeitszug ganz sanft in die Kurve legt. Das soll und muss so sein. Technisch gesehen würde es den Maglev bei den vorliegenden Kurvenradien sonst aus der Kurve dreschen, ganz so, als beschleunigten wir ein kleines Auto auf einer Carrerabahn zu zuversichtlich.

Wenige wissen, dass der Maglev eigentlich nur eine Probestrecke für bedeutendere Strecken darstellt; kritische Stimmen meinen, dass die Endhaltestelle Lóngyáng-lù unter anderem deshalb so zentrumsfern liegt. Doch die geplante Verbindung mit der Großstadt Hangzhou wurde letztlich nicht realisiert bzw. vom Bau eines langsameren High-Speed-Zugs „überholt".

Peking investiert in die Eisenbahn und verfügt heute über ein Hochgeschwindigkeitsnetz von 29.000 Kilometern. Die Zukunft soll der Magnetschwebebahn in einer Vakuumröhre gehören. Die Magnetkissen würden Geschwindigkeiten um die 1000 km/h möglich machen. Teile von Technik und Finanzierung sind noch nicht ausgereift – der Karosseriebau aus widerstandsfähigem Leichtmaterial, der schienenlose Grundbau quer durchs Land – doch Anfang der Zwanziger werden dem Vernehmen nach kurze Teststrecken ihren Betrieb aufnehmen. Wo sie sich befinden, ist ein Staatsgeheimnis. Kürzlich wurde bei Qingdao ein 600 km/h schneller Magnetzug vorgestellt. Eines Tages werden die 425 km/h des Maglev alt aussehen.

www.amanshauser.at

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