Kriwij Rih, mon amour!

Ein leidenschaftliches Plädoyer für die Entdeckung der unbekannten Provinz des europäischen Ostens.

Zuerst war das Erz, dann waren die Menschen.
Zuerst war das Erz, dann waren die Menschen.
Zuerst war das Erz, dann waren die Menschen. – (c) imago/Eastnews (Albin Marciniak)

Nach Kriwij Rih fuhr ich für eine Reportage über den frisch gewählten ukrainischen Präsidenten, Wolodymyr Selenskij. Ich wusste kaum etwas über die Stadt, außer, dass sie mit 126 Kilometern die längste Europas sein soll. Wie das kam? Sie entstand aus Ansiedlungen, die wiederum entlang von Erzgruben wuchsen. Ja, das ist die Geschichte von Kriwij Rih. Zuerst war das Erz, dann waren die Menschen.

Nicht nur der Gründungsmythos gefiel mir, auch die Stadt entpuppte sich als überaus interessantes Pflaster. „Was soll an der osteuropäischen Provinz schon sehenswert sein?“ Solche Vorurteile hat man schon viel zu oft gehört. Doch gerade in den vernachlässigten Städten des Ostens gibt es Unglaubliches zu entdecken. Hier ist das Neue, das gesehen werden will. Die Erwartungen sind gering und werden hundertfach übertroffen: Das große Gefühl der Zufriedenheit stellt sich ein.

Kriwij Rih war da keine Ausnahme. Was es hier nicht alles gibt! Eine unterirdische Tramway braust in atemberaubender Geschwindigkeit durch kohlschwarze Tunnels. Die Industrieanlagen der Stadt sind nicht weniger eindrücklich als gotische Gotteshäuser. Die Erzgruben schillern in den schönsten Farben. Die Menschen im Hotel waren wunderbar nett. Das Essen kontemporär. Die Taxifahrer schweigsam und überpünktlich. Und überhaupt: Kennen Sie jemanden, der schon in Kriwij Rih war? Was glauben Sie, wie Sie mit dieser Destination auftrumpfen können! Nach drei Tagen musste ich die Stadt schweren Herzens verlassen. Ich habe mir geschworen, dass ich zurückkehren werde.

jutta.sommerbauer@diepresse.com
[PEOTT]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2019)

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