Pillerseetal: Durchs Schneeloch spuren und rennen

Das Pillerseetal ist die schneereichste Ecke Tirols. Neben Alpinskilauf sind hier auch exotische Wintersportarten wie Biathlon oder Hundeschlittenfahrten ganz normal.

Wie hätten wir’s denn gern, klassisch langlaufen oder biathletisch? Alles ist möglich im Schneeloch Pillerseetal. Hier der Blick von oben.
Wie hätten wir’s denn gern, klassisch langlaufen oder biathletisch? Alles ist möglich im Schneeloch Pillerseetal. Hier der Blick von oben.
Wie hätten wir’s denn gern, klassisch langlaufen oder biathletisch? Alles ist möglich im Schneeloch Pillerseetal. Hier der Blick von oben. – Imago

Beim Anschnallen der Langlaufski herrscht sanfter Schneefall, die irrtümlich aufgesetzte Sonnenbrille beschlägt in der Sekunde. Ein kurzer Blick auf das weite Schneefeld und schnell wird klar: Das mit dem Schneeloch stimmt eindeutig. Mehr Weiß in einer Tiroler Winterlandschaft geht fast nicht. Hochfilzen ist die schneereichste Gemeinde im ganzen Bundesland, das sagt auch eine aktuelle Studie des Skitourismus-Forschers Günter Aigner. Sowohl im Vergleich seit 1895 als auch im 30jährigen Durchschnitt hat Hochfilzen im Pillersee Tal mit 673 Zentimetern Neuschnee die Nase ganz vorn.

Aufwärmen auf 2,8 Kilometer

Peter Tschirner steht vor der „Nordic Academy“, dem Kompetenzzentrum für Nordische Sportarten, und zeigt auf eine knapp zehn Meter entfernte Holzwand mit kleinen, weißen Scheiben. Darauf soll später mit einem Luftgewehr geschossen werden. Vorher aber geht es auf die Loipe. Ob man auch „klassisch“ fahren dürfe? Grundsätzlich sind beim Biathlon beide Stile erlaubt, heißt es.

„Neben Schwimmen ist Langlaufen eine der gesündesten Sportarten“, motiviert der pensionierte Sportwissenschafter die künftigen Schützlinge. Zum Aufwärmen empfiehlt er die 2,8 Kilometer lange Dorfloipe. Binnen kurzem hat der Schneefall die Landschaft mit einer frischen, weißen Decke überzogen. Eine Spurensuche der anderen Art kann beginnen. Nur noch die blauen Begrenzungsstangen am Loipenrand lassen die Streckenführung erahnen. Egal, gefahren wird jetzt trotzdem. Unruhig gleiten die Langlaufskier durch den pulvrigen Neuschnee, kurz klärt sich die Sicht und gibt einen Weitblick auf die Skipisten der Buchensteinwand vis-à-vis frei. Nach der ersten halben Dorf-Runde stellt sich eine innere Ruhe ein. Vor der Kirchturmspitze am Horizont taucht das Loipenspurgerät auf. Fast schade. Am Ausgangspunkt im Langlaufzentrum angekommen, geht es auf die grüne Matte. In einer speziellen Liegetechnik, auf dem Bauch, versteht sich, und mit den Langlaufskiern an den Füßen, die Stöcken abgelegt in den Kniekehlen, versucht sich der Biathletneuling schnell zu fokussieren, das Gewehr an der Backe. Im echten Leben zählt für den Profi jede Sekunde.

Einatmen, ausatmen, schießen

Wer es noch nie versucht hat, lässt beim ersten Mal bestimmt wertvolle Zeit liegen, wenn da beim Anvisieren der Schießscheibe plötzlich von „Kimme“ und „Korn“ die Rede ist. Alles nicht so wichtig wie „einatmen, ausatmen – schießen, laden, schießen.“ Der richtige Atemrhythmus spiele nämlich eine große Rolle, weiß der Trainer. Nach dem ersten (Zufalls-)Treffer hält der Hobbybiathlet begeistert den Atem an. Der ohnehin schon hohe Puls steigt. Es schleicht sich eine Ahnung an, weshalb diese Kombination aus Konzentrationsübung und Ausdauersport Spaß machen kann. Es folgen vier kleine Strafrunden im Übungsareal, um dann noch im Stehen zu schießen – aus der Hüfte sozusagen. Aber die Hände zittern zu stark. Alle fünf Schuss gehen daneben. Egal – lustig wars trotzdem. Und das ist ja schon eine gute Voraussetzung. Biathlon könnte durchaus das neue Langlaufen für jedermann werden. Mit der Nordic Academy und den unterschiedlich schweren Loipen ist Hochfilzen gut gerüstet. Zu den Gästebiathlons – jeden Dienstag, Donnerstag und Sonntag – „kommen die Leute in voller Rennmontur oder einfach mit Moonboots“, sagt Tschirner. Mitmachen könne jeder.

Überhaupt entpuppt sich das Pillersee Tal, eingebetttet zwischen Steinplatte, den Loferer Steinbergen und den Kitzbüheler Alpen, als ideale Gegend für weitere Wintersportaktivitäten, Schlittenhundefahren zum Beispiel. Wer im Jänner auf dem Dorfplatz von St. Ulrich steht, hört lautes Heulen. Seit 20 Jahren treffen sich hier bis zu 1000 Schlittenhunde aus ganz Europa zum jährlichen Trainingscamp und bereiten sich mit ihren Herrln aufs Rennwochenende vor. Die malerischen Winterwanderwege rund um den Pillersee bieten sich dafür ideal an. „Super macht's ihr das“, ruft Mario seinen Sibirischen Huskys in voller Fahrt zu und lenkt sie mit einem „how“ in die Linkskurve. Lucy, Spirit und Merlin brauchen diese Motivation dringend, denn wenn sie eines nicht so gern machen, dann sei es das Runden fahren, erklärt er.

Für den Laien wirkt diese Trainingsrunde schon recht spektakulär. „Wenn man ins Ziel kommt, ist das Bremsen wichtig“, erklärt er und steigt auf die Bremsmappe des Schlittens. Das sieht alles so einfach aus, „ist aber keine g'mahte Wiesn“, weiß Elisabeth aus Niederösterreich, die jedes Jahr mit ihren Huskys und Ehemann an den Pillersee zum Trainieren kommt. Als Musher müsse man manchmal ordentlich mitlaufen mit dem Gespann, vor allem wenn es steiler bergauf gehe.

To-Do's im Pillerseetal

Langlaufen, Biathlon, Schneeschuhwandern: Nordic Academy, gund kompetene Trainer, Verleih mit Top-Ausstattung. www.nordicacademy.at

Volksbiathlon in Hochfilzen mit Team- und Einzelwertung, 10.–11. März 2018

www.volksbiathlon.com

 

Compliance-Hinweis: Die Autorin wurde vom Tourismusverband PillerseeTal-Kitzbüheler Alpen unterstützt. pillerseetal.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2018)

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