Die Buben im Pelz: Velvet Underground auf Wienerisch

Die Buben im Pelz verzaubern mit ihrer Adaption von Velvet Underground. Deutschland ist begeistert, die Matschkerer sind von der Heimatfront.

(c) Facebook/Die Buben im Pelz

Die deutsche Zeitung „Die Welt“ schwärmte kürzlich über Wien, als wäre es New York in der goldenen Cheeseburgerzeit. „Es hat die schönsten Dragqueens (Conchita Wurst und die gesamte FPÖ) und auch die besten Drogen (Märzen und Käsekrainer).“ Und selbstverständlich lobte der Feuilletonist auch hiesige Bands wie Wanda und Bilderbuch.

Auslöser der Begeisterung waren aber Die Buben im Pelz und ihr keckes Unternehmen, die als sakrosankt geltende, erste Platte von Velvet Underground einzuwienern. Was vor nicht allzu langer Zeit als Besudelung gegolten hätte – ein internationales Popjuwel ins Mundl'sche Idiom zu übertragen –, das begeistert heute. Vor allem Deutsche. Die Poppostille „Spex“ hat schon vor einem Jahr verkündet, dass Wienerisch die perfekte Sprache für Popmusik sei.

Christian Fuchs und David Pfister, die beiden Protagonisten von Die Buben im Pelz, haben darin Erfahrung. Schon als Mitglieder der „Neigungsgruppe Sex, Gewalt und gute Laune“ sangen sie sich im Dialekt in manch amouröse Bredouille. Damals waren es nur einzelne Lieder, diesmal ist es mit dem berühmten Debüt von Velvet Underground eines der einflussreichsten Alben der Popgeschichte. Also ging es darum, Dünkel und Ehrfurcht über Bord zu werfen und sich angstfrei diesem ikonographischen Werk zu stellen. „Wir haben ein Scheitern immer einkalkuliert“, versichern die beiden.

 

„A fesche Funsn“

Über die Wirkmächtigkeit des Originals haben sie gründlich nachgedacht. Demnach führten Zufall und auch Unvermögen zu einer neuen Ästhetik, wo musikalischer Dilettantismus zum willkommenen Antidot zum überbordenden Virtuosentum jener Ära wurde. Und dann war da noch diese untergründige Gefährlichkeit, die die Buben im Pelz überraschend gut ins hiesige Milieu retten. „Wie super, das de liagt“ konstatieren die Buben das Trügerische in Weiberherzen in „Femme Fatale“. Sehenden Auges gehen sie in die Falle, weil: „Sie is a fesche Funsn, a so a fesche Funsn“.

Den richtigen Ton zu treffen, das verlangte Fingerspitzengefühl. Mit den Texten haben sie sich lange geplagt. Keinesfalls durfte Ironie ins Spiel kommen. Die Buben im Pelz sehen große Parallelen zwischen dem New York der ausgehenden Sechzigerjahre und dem Wien von heute. „In der Stadt herrscht untergründige Hysterie und gleichzeitig tiefe Müdigkeit“, so Pfister. Ihre These von der funky Lidschwere setzen sie in „Olle faden Parties“ ideal um. Fuchs: „Das Szenario von ,All Tomorrow's Parties‘ kann man sich leicht in der Wiener Pratersauna vorstellen. Frisuren und Mode sind heute ähnlich.“ Der Buben-Befund lautet: „Der Eskapismus ins dröhnende Clubleben funktioniert nicht mehr. Die Wiener Erschöpfung dauert nun schon über ein Jahrzehnt. Euphorische Momente sind da rar.“

Und so groovten sie sich in den Abschwung ein und kreierten so etwas wie einen Soundtrack der umfassenden Erschöpfung. Aus dem Union Square wurde der Praterstern, aus der Lexington Avenue der Schwedenplatz. Die subtile Gefährlichkeit New Yorks bekam so lokalen Radical Chic. In ihrem künstlerischen Tun beeinflusst hat die beiden ihre ehemaliger Bandkollege Fritz Ostermayer: „Er hat oft etwas artikuliert, was wir nur dumpf gefühlt haben“, sagt Pfister. „Sein Streben nach erhabenen, fast religiösen Momenten in der Musik hat mich beeindruckt.“

Inspiration war auch der steirische Multiinstrumentalist Bernd Heinrauch, der auf dezente Weise Rock'n'Roll einbrachte, ein Element, dass ihnen bei der Konjunktur des Wienerischen bislang abgegangen ist. Alles fein? Nein, Matschkerer gibt es hier immer. Bekrittelt wird Kurioses. Nämlich, dass die Buben statt der berühmten Warhol-Banane eine Wurst auf die Hülle packten. „Auch unser Bandname wurde bekrittelt. Manche PC-Narren verlangten, dass wir das Pelz auf Kunstpelz ausbessern“, wundert man sich über Auswüchse der Political Correctness. Fuchs aber verschärft die Gangart: „Eines kann ich versichern: Die Coverwurst ist nicht aus Tofu.“

AUF EINEN BLICK

Die Buben im Pelz (Genre: „Vienna Pelz Noise“) sind ein Projekt von Christian Fuchs (einst Bunny Lake) und David Pfister (u.a. FM4), die als Mitglieder der inzwischen aufgelösten Brachial-Kapelle „Neigungsgruppe Sex, Gewalt und Gute Laune“ die aktuelle Dialektwelle mitinitiiert haben. Auf ihrem neuen Album „Die Buben im Pelz & Freundinnen“ (Konkord) haben beispielsweise Dorit Chrysler, Monsterheart und Sir Tralala als Gastmusiker mitgewirkt. Live spielen sie u. a. am 26. September beim Steirischen Herbst im Kunsthaus Graz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.07.2015)

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