CreativeClass: Holz für alle

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Was ist das, der Erfindergeist? Oder: Wie wird man überhaupt Erfinder? Raphael Ertl hatte ein Problem, wenn auch ein relativ gehobenes: Er hegt eine tiefe Abneigung gegen Computermäuse aus Kunststoff, er wollte eine aus Holz. Das Angebot, damals, 2010, war so überschaubar, dass er selbst begann, eine Maus aus Holz zu entwickeln. Heute, sechs Jahre später, gibt es sie - und dazu auch ein ganzes Designlabel, das Ertl Lignemi genannt hat. Die Maus war aber dann gar nicht dessen erstes Produkt.

Simon Möstl
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Sondern ein Holzetui (im Bild): "Das war praktisch, so konnte ich immer gleich auch meine Arbeit vorzeigen", sagt Ertl, der eigentlich gar kein Tischler ist. Er lernte auf der Schule in Vorarlberg Automatisierungstechnik und Maschinenbau. Danach arbeitete er in der Produktentwicklung - "unselbstständig", wie Ertl dazu sagt, und ihm nicht entsprechend, er mag es "kreativ-chaotisch": Die Erkenntnis war zumindest Anlass für einen Backpackingtrip durch Südostasien und vermutlich dann auch für den Umzug nach Graz, wo Ertl sein Wirtschaftsstudium begann.

Kevin Kuehnl
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Rund fünf Jahre dauerte es schließlich von der Holzmausidee bis zum ersten Lignemi-Produkt. Mittlerweile ist die Lignemi-Familie aber schon angewachsen, selbst die besagte Holzmaus hielt Einzug in die Kollektion, die Ertl zum Teil auf der Onlinehandelsplattform Etsy vertreibt. Das Material Holz hat für den Entwickler viele Bedeutungen; bewussterer Konsum gehört ebenso dazu wie die reine Freude an der Abwechslung ("Ist Holz nur etwas für Möbeldesigner?"). Eine gewisse technische wie handwerkliche Begabung kommt Ertl, der den gesamten Prozess von der Idee bis zur Produktion selbst durchführt, dabei sicherlich zugute: "Ich bin sehr gerne handwerklich tätig und habe einfach eine Begabung dafür", sagt Ertl, "dadurch ist mir der Umstieg von Metall" - nach der HTL in Vorarlberg - "auf Holz nicht so schwer gefallen." Die Liebe zum neuen Material wuchs schnell: "Der Vorteil ist, dass Holz wesentlich einfacher zu bearbeiten ist." Der Nachteil? "Es hat ein Eigenleben, verzieht sich, ist nicht homogen."

Kevin Kuehnl
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Wie Ertl seine Ideen findet? "Beginnen tut's eigentlich schon damit, zu beobachten, was Menschen vielleicht gern aus Holz hätten. Dann überlege ich mir, wie das Produkt technisch funktionieren soll, und mache Old-School-Bleistiftentwürfe." Eine gewisse Weinaffinität hat Ertl auf jeden Fall, vielleicht durch das Leben und Arbeiten in der Steiermark. Teelichthalter in Weinflaschenform entwirft er ebenso wie aufwendige Weinpräsenter, die Ertl aus den Dauben von benutzten Rotweinfässern anfertigt, oder Untersetzer mit "In vino veritas"-Gravur. Sein Lieblingsprojekt ist im Moment ebenfalls dem Wein verpflichtet: Weingläser mit Holzstiel, "Catherine" getauft, die demnächst in den Shop einziehen (im Bild).

Kevin Kuehnl
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CreativeClass Steiermark: Lignemi Designmanufaktur

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