Ungemein praktisch: Kei-Cars

Neues aus Fernost: Hondas Ingenieure bauen keine rollenden Trutzburgen, sondern reflektieren auf ihre Gesellschaft. Dabei kommt Sehenswertes heraus.

Mobile Ein kleiner Raum mit fünf Quadratmeter Wohnfläche, der fahren kann und am Stromnetz des Hauses hängt.
Mobile Ein kleiner Raum mit fünf Quadratmeter Wohnfläche, der fahren kann und am Stromnetz des Hauses hängt.
Mobile Ein kleiner Raum mit fünf Quadratmeter Wohnfläche, der fahren kann und am Stromnetz des Hauses hängt. – (c) Beigestellt

Kei-Cars (oder K-Cars) sind eine japanische Spezialität, aber das Prinzip gibt es auf vielen Märkten: eine spezielle Klasse kleiner, bescheiden motorisierter Vehikel, die wenig verbrauchen und nicht viel Platz wegnehmen – und deshalb steuerlich bevorzugt werden. In Europa feierte vor hundert Jahren mit den Cycle Cars, einer Mischung aus Auto und Motorrad, eine solche Steuerklasse Premiere, in der Besteuerung nach abgestuften Hubraum- oder Leistungsklassen lebt das Prinzip in vielen Ländern fort.

Nirgendwo aber so konsequent wie in Japan, wo Kei-Cars ein gutes Drittel des Fuhrparks ausmachen. Für europäische (und wohl erst recht US-amerikanische) Besucher in Japan zählen die Zwutschgerl zu den Straßenattraktionen – mannigfaltig ist ihre Erscheinungsform, die meisten haben aus Gründen der Raummaximierung zum Kubus gefunden. Eine Zeitlang hat Daihatsu solche ulkigen, aber ungemein praktischen Kisten mit kleinen Rädern auch in Europa verkauft.

Über die Jahrzehnte durften Kei-Cars immer größer werden, vom absoluten Bonsai-Format nach dem Krieg (2,8 Meter lang, einen Meter breit – quasi ein überdachter Roller) reicht es heute bis maximal 3,4 Meter Länge und eineinhalb Meter Breite. Der Viertaktmotor darf maximal 660 Kubikzentimeter aufweisen.

 

Bonsai Der Honda S660 ist ein Kleinstwagen mit Sportlerherz: Mittelmotor, leicht, Heckantrieb. Leider nicht bei uns.
Bonsai Der Honda S660 ist ein Kleinstwagen mit Sportlerherz: Mittelmotor, leicht, Heckantrieb. Leider nicht bei uns.
Bonsai Der Honda S660 ist ein Kleinstwagen mit Sportlerherz: Mittelmotor, leicht, Heckantrieb. Leider nicht bei uns. – (c) Beigestellt

Das Prinzip Sparsamkeit hinderte manche Hersteller aber nicht, Kei-Cars als Roadster oder Sportwagen zu entwerfen. Unvergessen der Daihatsu Copen, den es auch in unseren Breiten gab – die wenigen Exemplare sind heute als Klassiker zu werten. Nie über Japan hinaus kam Honda Winzling, der soeben neu aufgelegt wurde: Der S660 reizt die Vorgaben des Reglements bis auf den halben Zentimeter aus, ist in Folge 3395 cm lang und hat einen 660-ccm-Heckmittelmotor, der die Hinterräder antreibt. Der S660 kostet umgerechnet weniger als ein VW Polo (theoretisch, denn es gibt ihn hier ja nicht) und bietet Sportwagenfreuden im Kleinstformat. Bei uns, wo Autos immer größer und massiger werden, sollten man auch einmal über die Tugenden des Kleinseins nachdenken.

Info

Name: Honda S660
Kategorie: Kei-Car
Preis: umgerechnet 16.400 Euro
Motor: Reihendreizylinder-Turbo
Hubraum: 658 ccm
Leistung: 64 PS
Gewicht: 830 kg
0 auf 100 km/h: 10,0 Sekunden

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Ungemein praktisch: Kei-Cars

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.