Randerscheinung: Sauwetter

Ein großer Vorteil von kleinen Kindern: Man muss bei jedem Wetter raus. Ein gravierender Nachteil von kleinen Kindern: Man muss bei jedem Wetter raus.

Ich schreibe das unter dem Eindruck des vergangenen Wochenendes, an dem es durchgehend geregnet und gestürmt hat, obwohl irgendwie alles auf Frühling eingestellt war. Und ich hatte an sich alle Ingredienzien für zwei hermetisch-beglückende Indoortage beisammen: eingekauft für zwei Haupt- und etliche Zwischenmahlzeiten, ein dickes Buch, eine gemütliche Couch und zwei Kinder, die außer den beiden Haupt- und etlichen Zwischenmahl­zeiten nichts mehr von mir wollen – außer ihre Ruhe. Doch ich habe die Rechnung ohne den Jüngsten gemacht. Nicht dass der freiwillig hinauswollte, den bringen bei so einem Sauwetter höchstens genauso viele Pferde vor die Tür wie alle anderen. Aber der Vater in mir, ja, es gibt tatsächlich auch noch anderes, sekkiert mich unablässig dort auf der Couch: Das Kind muss sich noch an der frischen Luft rühren.

Um das hinter uns zu bringen (schlimmer als das Rausgehen selbst ist nämlich nur, sich den ganzen Tag mit dem Hinausschieben des Rausgehens zu vermiesen), setzen wir uns also mit dem Ball aufs Fahrrad und fahren im Regen zum nächsten Fußballhartplatz. Kaum sind wir angekommen, will der Sohn schon wieder nach Hause. Irgendwie verständlich, wir sind beide waschelnass. Doch dann entfaltet der Ball seine magische Wirkung: Laufe hinter ihm her, und alles rundherum ist vergessen. Funktioniert sogar noch mit 46 Jahren. Eineinhalb Stunden später sind wir wieder zu Hause, haben trockene Sachen am Körper und dieses Après-Ski-Gefühl im Herzen, obwohl erst Mittag ist. Wissen Sie, was ein Vorteil von kleinen Kindern ist? Man war bei jedem Wetter draußen!

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