Randerscheinung: Der Walfisch zum Thunfisch

Also ein wenig zurückgesetzt fühle ich mich schon.

Während der Mittlere als Erstwähler bei der Landtagswahl im Speckgürtel von den Wahlwerbern mit Post (also so richtig im Briefkasten) überhäuft wird, kräht nach mir kein Hahn. Der Bub sitzt mir gegenüber am Küchentisch und öffnet zuerst den Brief der Amtsinhaberin. Die versucht es mit Augenhöhe. Es sei ja für beide das erste Mal (für sie als Spitzenkandidatin, für den Sohn als Wähler), deshalb auch etwas Aufregendes und Besonderes. Mit freundlichen Grüßen und bitten um das Vertrauen etc. Der andere Spitzenkandidat startet mit dem Wortungetüm „Hallo Jung-NiederösterreicherInnen“, das so auch nur in einem Parteibüro ersonnen werden kann. Zuerst werden zwar eine Menge vernünftige Pläne für junge Menschen aufgezählt, dann aber gleich versprochen, man werde sich den „A“ für meinen Sohn aufreißen. Der darüber den Kopf schüttelt und meint, so stelle man sich offenbar vor, „Jung-NiederösterreicherInnen“ begeistern zu können. Der dritte Brief von der Magenta-Oppositionspartei beginnt mit „Servus“ und dem Vornamen. Immerhin. Dann stehen im Text ganz viele gefettete Worte darunter: „Deine Stimme entscheidet viel”. Der Mittlere liest mir das alles leiernd, wenig begeistert vor, bis plötzlich seine Augen zu leuchten beginnen: „Schnellere Öffis! Jawohl!“ Nur falls die Parteibüros einen Tipp brauchen: damit lockt man Jungwähler. „Die Grünen schreiben mir sicher nur deshalb nicht, weil sie die Bäume schonen wollen“, meint er dann noch. „Eher weil sie kein Geld mehr haben“, sage ich. Er lacht, schaut auf die Briefe und meint: „Tja, sagt der Walfisch zum Thunfisch: Was willst du tun, Fisch? Sagt der Thunfisch zum Walfisch: Du hast die Wahl, Fisch!” Genau, die hat er. Und wer will jetzt eigentlich meine Stimme?

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