„Wir sudern oft über Wien“

Electric-Spring-Kuratorin Dalia Ahmed über die vielen guten Künstler aus Wien, die Plattensammlung der Eltern und das Besondere an Beyoncé.

Dalia Ahmed auf den Stufen im Wiener Museumsquartier, wo heute und morgen das Electric- Spring-Festival stattfindet.
Dalia Ahmed auf den Stufen im Wiener Museumsquartier, wo heute und morgen das Electric- Spring-Festival stattfindet.
Dalia Ahmed auf den Stufen im Wiener Museumsquartier, wo heute und morgen das Electric- Spring-Festival stattfindet. – (c) Clemens Fabry

Wenn Dalia Ahmed unterwegs bemerkt, dass sie ihre Kopfhörer daheim liegen gelassen hat, dreht sie mitunter noch einmal um. Für die 27-Jährige gehört Musik zum U-Bahn-Fahren dazu. Manche Künstler, die man in den vergangenen Monaten in ihrer Playlist gefunden hat, kann man ab heute, Donnerstag, im Wiener Museumsquartier hören: beim Electric Spring, den sie heuer kuratiert hat.

Ahmed, die als DJ und Journalistin arbeitet, will bei der inzwischen fünften Edition des Wiener Frühlingsfestivals zeigen, wie viel gute Musik es in bzw. aus Wien gibt und was Wien alles kann. „Wir Wiener und Wienerinnen unterschätzen das selbst oft, sudern über unsere eigene Stadt, darüber, dass Berlin und London besser sind“, sagt Ahmed. „Aber es gibt hier ziemlich viel ziemlich Gutes. Man muss halt immer ein bisschen danach suchen.“

Die Kuratorin, die seit vier Jahren bei FM4 arbeitet und dort seit 2017 jeden Samstagabend die Sendung „Dalia's Late Night Lemonade“ präsentiert, musste allerdings nicht mehr lang suchen. Als sie im Februar gefragt wurde, ob sie das Festival kuratieren wolle, sei sie zuerst kurz ziemlich geschockt gewesen, erzählt sie. „Aber schon nach fünf Minuten hat es angefangen zu rattern und ich habe mir überlegt, wen ich da aller drin haben will.“

Geworden ist es unter dem Motto „What the people want“ ein sehr diverses Line-up – nicht nur, was den Hintergrund der Künstler angeht, sondern auch bei den Sounds, die präsentiert werden. Da sind etwa der Rapper T-Ser mit härterem Hip-Hop und Afrobeats, die Wiener Band Kids N Cats mit buntem Elektropop und Einflüssen aus aller Welt und der junge Produzent Felix Nyajo alias salute, der inzwischen in England lebt und der laut Dalia Ahmed „herrlichen House“ macht.

Schlager und sudanesische Musik

Dass sie selbst zur Musik gekommen ist, liegt nicht unwesentlich an ihren Eltern. „Meine Eltern sind große Musikfans. Mein Vater hat eine riesige Plattensammlung – das geht von österreichischem Schlager und Pop bis zu Ray Charles, da haben wir uns gemeinsam durchgehört“, sagt Ahmed. „Meine Mutter hat viel sudanesische Musik gehört – das fand ich als Kind schrecklich, aber mittlerweile schätze ich es.“ Sie habe sich bei Musik daher immer ein bisschen ausgekannt, habe sich sicher gefühlt, darüber zu reden, und habe sie weiter ausgekundschaftet.

In ihrer samstäglichen Sendung auf FM4 präsentiert Ahmed denn auch ihre Lieblingsmusik: Das kann dann Pop sein oder Club-Musik, R'n'B, Dancehall oder Afropop. Kurz gesagt: „Alles, was ich geil finde, kommt in die Sendung rein.“ Unter anderem auch Beyoncé – die Ahmed für den größten Popstar überhaupt hält, wie sie sagt. „Es ist ja mittlerweile so, dass Mainstream kein Schimpfwort mehr ist.“

Die US-amerikanische Sängerin sei seit über 20 Jahren aktiv – und habe zuletzt einen neuen Weg eingeschlagen. „Da bezieht sie sich auf die afroamerikanische Geschichte, vor allem die der Südstaaten und präsentiert diese sehr kompromisslos“, sagt Ahmed. „Wenn sie zum Beispiel im Black-Panther-Outfit auf dem Super-Bowl-Rasen steht.“ Beyoncé stehe – trotz aller Gegebenheiten in den USA und in der Welt – an der Weltspitze. „Und es ist sehr inspirierend, wie sie sich selbst feiert.“

Selbst produziert Dalia Ahmed übrigens keine Musik. „Weil ich das nicht kann“, sagt sie und lacht. „Ich red groß und gebe meine Meinung ab – aber fürs Selbermachen habe ich nicht die Skills.“ Wenn es die Zeit erlaubt, würde sie es aber gern ausprobieren. „Als DJ spiele ich oft Remixes von Popnummern – also lege vielleicht einmal einen Beat hinter eine Popnummer.“ Beyoncé würde sich anbieten. Bis dahin hat die US-Sängerin im Original ihren Fixplatz in der U-Bahn-Playlist.

ZUR PERSON

Dalia Ahmed (27) kuratiert das Electric-Spring-Festival, das heute (Donnerstag) und morgen im Wiener Museumsquartier stattfindet – je ab 19.30 Uhr und bei freiem Eintritt. Ahmed ist Journalistin und DJ. Auf FM4 präsentiert sie jeden Samstagabend bei „Dalia's Late Night Lemonade“ ihre Lieblingsmusik. Als DJ legt sie das nächste Mal am 18. Mai im Wiener Fluc auf. Mehr zum Festival: electricspring.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2019)

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