Die »PamS«-Jahre

Oder: Warum wir genau zehn Jahre im Zirkel einstellen würden. Und ein Vorschlag für einen Namen der letzten Dekade.

Beim geometrischen Zeichnen spielt der Zirkel ja eine wichtige Rolle. Damit kann man fixe Strecken auf den Millimeter genau übertragen, Abstände gut einschätzen und das Mehrfache von Strecken rasch überschlagen. Wollte man das Leben vermessen, wären zehn Jahre eine ziemlich gute Einheit, um sie in einem Zirkel einzustellen und damit auf der Zeitleiste nach vorn und hinten zu switchen. Längere Phasen als zehn Jahre sind für Menschen oft nur mehr ungefähr zu überblicken, kürzere oft zu kurz, um Allgemeingültiges darüber sagen zu können. Eine Dekade ist jedenfalls eine ziemlich brauchbare Einheit, gemessen an der Dauer eines Menschenlebens.

Vor zehn Jahren, und davon soll in dieser Ausgabe der „Presse am Sonntag“ ja die Rede sein, waren Gordon Brown, Muammar al-Gaddafi und Papst Benedikt noch im Amt (in London, Tripolis und im Vatikan), Werner Faymann in Österreich gerade einmal ein Jahr Bundeskanzler und Benjamin Netanjahu nach zehn (!) Jahren Pause gerade wieder israelischer Premierminister, wo er heuer nach zehn (!) Jahren im Amt für eine weiter Amtszeit wiedergewählt wurde. Und Michael Jackson ist im Jahr 2009 gestorben.

„Was, schon so lang ist das wieder her?“, wäre eine typische Reaktion auf diese Nachricht aus der Vergangenheit, oder eben andersherum: „Der ist erst zehn Jahre tot, komisch, ich dachte, das liegt schon viel länger zurück.“ Dass Michael Jackson noch lebt, glaubt aber keiner. Dass seither Whitney Houston, Prince und David Bowie auch gestorben sind, fällt vielen sofort dazu ein. Aber weiß man auch noch wann? 2012, 2016 und 2016.

Apropos zehn Jahre: Völlig unbefriedigend ist nach wie vor die Bezeichnung dieser ersten Dekaden des neuen Jahrhunderts bzw. Jahrtausends. Nuller- und Zehnerjahre klingen bis heute seltsam fremd im Vergleich zu den 60ern, 70ern, 80ern und 90ern, vor die manche in einer Form von Hyperkorrektheit nun ein 19 gesetzt wissen wollen. Als könnte man die 80er-Jahre irgendwie verwechseln. Mit 1880? 2080? Eben.
Wer die „Presse am Sonntag“ liest, wird im besten Fall nicht mehr so genau sagen können, seit wann er das nun genau tut. Sondern nur, dass am Sonntag ohne Sonntagszeitung etwas fehlen würde. Und eine Bezeichnung für die vergangene Dekade? Die „PamS“-Jahre wäre doch eine Idee . . .

florian.asamer@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2018)

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